20190511 Impuls_Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte

20190511 Impuls_Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte

Ev. Gemeindefest zum Weltladentag 2019
Pfarrsprengel Basdorf-Wandlitz-Zühlsdorf
11.05.2019, Text: Lutz Hausmann

Impuls
Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte

Kirchliche Organisationen wie „Brot für die Welt“ und andere Menschenrechtsorganisationen bemühen sich seit Jahren um ein Gesetz zum Schutz der Ärmsten der Armen in den Produktionsstätten des Globalen Südens. Dies geht auch auf eine Forderung der EU nach nationalen Aktionsplänen für Wirtschaft und Menschenrechte zurück. Wenn in einer Phase der Freiwilligkeit bis 2020 keine nationalen Regelungen getroffen werden, wird es danach eine EU-weite Regelung geben. Das Entwicklungsministerium hat nun einen Entwurf zu einem entsprechenden Wertschöpfungskettengesetz (Wert-Schöpfungs-Ketten-Gesetz) erarbeitet.
Was steckt aus christlicher Sicht dahinter?

Die Marktstrategie verlangt, dass Teilnehmer verdrängt werden, die den Ansprüchen nicht genügen. Das ist in der gängigen Wirtschaftstheorie ethisch akzeptabel, weil jeder Teilnehmer am Markt ja theoretisch woanders hingehen und andere Partner finden könnte. In der Realität bedeutet dies jedoch, dass Marktteilnehmer am unteren Ende, die keine Wahlmöglichkeiten haben, keine Partner in diesem Prozess sind. Denn Fairness ist nur unter gleichberechtigten Partnern möglich. Diese Ungleichheits-Misere, die an der Ethik der Wirtschaftsdoktrin vorbeigeht, herrscht nun in den benachteiligten Ländern des Globalen Südens überwiegend vor.

Die Marktteilnehmer am unteren Ende bezahlen mit der Selbstverletzung ihrer eigenen Menschenwürde, um scheinbar weiter Partner in einem ungleichen Spiel zu bleiben. Sie bezahlen mit zu wenig Schlaf, zu wenig Essen, zu wenig Bildung, zu wenig Schutz für die Familie, ganz allgemein mit zu wenig Vorsorge, auch gesundheitlicher Art. Schlimm wirken sich auch gefährliche Arbeitsplätze aus.

Eine Existenz bei verletzter Menschenwürde ist für Christen nicht schöpfungsgerecht. Christen glauben an einen fürsorglichen und gerechten Gott.

Jeder ist für die Fürsorge und Gerechtigkeit Gottes mitverantwortlich, auch dass sie ihm selber widerfährt, aber wenn jemand keine Wahl hat, kann er gegen seine Misere selbst nichts unternehmen.

Jeder Mensch verdient Chancen. Christen geben Chancen.

Millionen, ja Milliarden Menschen sind davon betroffen, dass zwei grundsätzliche Alternativlosigkeiten aufeinandertreffen. Einmal, scheinbar alternativlos dem Kostendruck nachzugeben und andererseits alternativlos einfach existieren zu müssen.

Wer alternativlos existiert ohne die Attribute der menschlichen Existenz, hat seine Menschenwürde verloren.

Christliche Nichtregierungsorganisationen wie Brot für die Welt und Misereor und zahlreiche zivilgesellschaftliche NGO‘s arbeiten seit Jahren daran, diese unhaltbare Situation mit gesetzlichen Mitteln zu verbessern. Jetzt scheint diese Arbeit Früchte zu tragen. Innerhalb unserer Regierung gibt es Entwürfe für ein entsprechendes Gesetz.

In der Diskussion wird dieses Gesetz als „Wert-Schöpfungs-Ketten-Gesetz“ bezeichnet. Es regelt die Verantwortlichkeit wirtschaftlicher Akteure gegenüber Partnern am unteren Ende von Lieferketten, die eigentlich keine Partner sind und deshalb des besonderen Schutzes bedürfen.

Die diesjährige Kampagne des Weltladen-Dachverbands will den zarten Winden, die in Richtung dieses Wertschöpfungskettengesetzes wehen, Kraft und Aufmerksamkeit geben. Es ist nicht nur Kraft für ein Gesetz, sondern auch für eine Hoffnung, strukturelle Entgleisungen unseres Wirtschaftssystems wieder in eine Observanz und menschengerechte Fürsorglichkeit hineinzunehmen.

Jede und jeder, der sich als Teil dieser menschengerechten Fürsorglichkeit empfindet, ist aufgerufen, sich an der Kampagne zu beteiligen oder sie einfach geistig zu unterstützen.

Menschen brauchen Solidarität, damit die Kraft der Einheit alles Lebendigen sich unter den Menschen wohltuend verteilt. Das, was wir für andere tun, tun wir auch für uns selbst.

lhaus2

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