20160720 Brücke Museum_Noldeausstellung

Brücke Museum
Emil Nolde Ausstellung
20. Juli 2016

 

Leuchtende Farben zwingen
in einen Hauch des Hinsehens
Maltechnisch fulminant
beleuchtet
von einer Seelenlandschaft

Warum sollte Bekehrung einsetzen
Die Verletzung ist ein Vermächtnis
ohne das Felder besetzt sind,
die Wege zeigen

Farbvorgänge gewaltgetrieben
beherrschen Buntes
aufleuchtend zur Wegwarte
und anderem
frei zur Schau

Es ermächtigt sich ein Raum
des Nichts, des Kontemplativen
Innengeschneidert maßgehalten
Vollkomplex durchwirkt
mit Gewächskaskaden

Wachsendes, das sich aufschließt
zur Schönheit, die Lächeln lässt
Begegnungen bestimmen das Schwimmende
eines Tastenden in den Farben

Eine Wahrheit der Ursächlichkeit
Vorzeigevollzug eines raunenden
Raumes aus Träumen
Beräumend die Herzlichkeit,
die eben noch die Kraft vermied

20170501 Museum Barberini_Eröffnungsausstellung Impressionismus

Museum Barberini – Potsdam
Verschiedene Ausstellungen
01. Mai 2017

 

Nolde, Gladiolen

Tiefe, Farbkraft, Beutereinheit, Liebeskraft, Starkstrom,
Weltgeltung in einer Gladiole
vorübergehendes Pathos

Tiefe, die in Farbkraft übergeht
Eine Beutereinheit
einer besonderen Liebeskraft
Starkstrom hinein in ein Erwachen
einer Gladiole
zu vorübergehender Weltgeltung

Nolde, der Wilde, der Tiefkräftige
Mit Farbkraft strahlt hier eine Beutereinheit
einer Gladiole bemächtigt
Starkstrom einer Liebeskraft,
die ihr vorübergehend,
ohne Pathos
eine Weltgeltung verschafft

 

Munch, 1905, Haus – Bäume – Menschengruppe

Ort, Haus, hohe Bäume wie übernetzt
kokonbildende Menschengruppe

Kokonbildend muss hier wohl alles gewesen sein Jetzt ist es da
Das besondere Bild
Das Haus, die hohen Bäume
wie übernetzt
selbst die Menschengruppe schließt sich ein

 

Renoir

Waldbilder, lebendiger Schmelz

Waldbilder
ein lebendiger Schmelz ist sofort in Wirkung
Ein Geheimnis,
das präsent ist wie eine Wahrheit

 

M. de Vlaminck, Seineufer

Seineufer, Farbe und Leere,
Durchsichtigkeit des Raumes

Farbe und Leere,
Durchsichtigkeit des Raumes
Ein Dahinter und Dazwischen ohne Inhalt

 

Alfred Sisley

Der klare Blick in den Zeitraum / die Zeit

Der klare Blick in die Zeit,
in den Zeitraum hinein

 

Monet, Waterloobridge

Gar keine seltene Gabe
die Auslassung hin zur Enthüllung
Drei Schichten übereinander
Eine Stimmung,
die es so nicht wirklich gibt,
sowieso nur in uns so gibt
im Künstler gab

In der Zeit vergangen
oder stets als Möglichkeit?

Wenn ich mich als Reaktion darauf
in diese Gegenwart versetzte,
gäbe ich mich ins Chaos
des Nichtverstehens
in mein ganz eigenes Chaos

20180726 Museum Barberini_Richter-Ausstellung

Museum Barberini – Potsdam
Gerhard Richter. Abstraktion
30. Juni – 21. Oktober 2018

 

26) Grau (breite Pinselschraffur)

Ich vermisse die Tiefe
der reinen Höhle,
die in mir klingt
Ich kann die Vielfalt spüren,
die alles umfasst
Mit einem Tal der tröstenden
Heiligsprechung
erfüllt die Macht
den verkehrten Traum

 

Manchmal vermisse ich
den Teil der Höhle
der früher einmal
einen reinen Klang
geborgen hat
Die Vielfalt ist heute
spürbar und fast
allgegenwärtig treu
Mit einem Teil der
tröstenden Heiligsprechung
erfüllt die Macht den
verklärten Traum
der heute aus den
Klängen gezogen wurde

 

10/11/12) Sternbild (gefurcht dicke graue Farbe)

Helfen
beinharte Fragen
Die Muster der Löslichkeit

Die geschwungene Feinheit
der Verflachung
als ein Eintrag

 

1. Stock
30)

Ein Sturz der Attrappen
mit der Fensterverkleidung
einer Höhle

Tiefe in Falten
und doch gleichzeitig
im Boxring

Dabei stürzen
die Attrappen mit
den Fensterverkleidungen
in tiefe Falten
und doch gleichzeitig
in einen Boxring

 

34)

Die kleine Flut der Reue

 

37)

Geistesabwesend gültig
Die Welt als Vorhang
Bitternes im Ausgang
einer Farbe

Der steingraue Hellebarden-Friedhof
erscheint hier trunken
und doch mutig
in seiner Gefestigtheit

Die kleine Flut der Reue
geistesabwesend gültig
macht die Welt zum Vorhang
vor dem Allerheiligsten

Bitternes im Ausgang
einer Farbe
Der steingraue Hellebarden-
Friedhof erscheint
hier trocken (trunken?)
und doch mutig
in seiner Gefestigtheit

 

41)

Das Gewächs einer Kluft
erscheint hier
in der Mildheit der Schöpfung

 

39)

Komplexe Wahrheiten
sind schiefergrau,
wenn nicht von Farbe übertüncht

 

40)

Eine Wolke ist im Wasser
nur einsam,
ohne die Schlingpflanzen

Eine Wolke ist dabei
nur einsam
wenn die Schlingpflanzen
nicht nachwachsen

 

42-45) Zeichnungen, Landschaftsabstraktionen
(„40 Tage“, 2015; Landschaft bis innere Landschaft)

Die Hilfe kommt
Sie wird für Dich erfahrbar
Eine milde Feinheit,
die nicht nur Überschwang ist

Ich halte dies für Reinheit
Ein Klosterlicht

 

23)
Möglichkeiten
24)
Reaktion
29)
Bring dich in Stimmung

 

21)

Meisterschaft
Gestautes Nestmaterial

 

28)

Gewinnbringender Zug
Ich möchte leben
wie im Berg eingeschlossen
nur mit Dir

 

22)

Die Silberfarbe verspottet
die Reaktion der Mühen

 

MV, 2011)
„Ich möchte einen Preis gewinnen“

 

63/67/65/68)

Er macht so lange bis die Bewegung im Bild zum Stillstand gekommen ist.

 

71)

„Ich möchte weinen“

 

73/74/70)

Stilles Beeindrucktsein

 

76/77) Flow

Marmorierte Teilhaftigkeit
wie in Gaswolken
oder auf Saturnplaneten

 

81/85/86/80) (2007, 2017, 2016)

Noch Bewegung drin

 

86)

„Ich möchte zum Kern vordringen.“

 

82)
Gefühltes
81)
Hochzeit
85)
Beeindruckend, aber?

 

21/23/29)

„Ich hoffe, die Welt wird einmal verstehen.“

Ganz einfach!
Du musst die Dinge zu einem Anlageobjekt machen, wertsteigerungsfähig.

 

Obergeschoss
Eine große Entdeckung: Fritz Winter (1905-76)

20180808 Bodemuseum_Altes Museum Etrusker

Bodemuseum

Und jetzt begehr‘ Deines
Nächsten Haupt
Weil die Stämme aufragen
wie Rippen aus meinem
Dornenschwert

Der Ochse des Herrn
der verhungern musste
der Weltenzeugung wegen

Ich rege Dich an
als Extremität des Wachsens
und Könnens und Betens

Im selben Altarraum
gebärt die Mutter ihr Kind
Eine fürsorgende Kulisse
in einem Museumsbau
tief unter der Erde

Die Macht rüstet sich
zu brüten

Das Ei der Schwere
trägt alles in sich
was das große Huhn
aufgepickt hat
während seiner Weltenreise

 

Altes Museum, Etrusker

Sehnsuchtsvoll in altes Öl getaucht
sind Erinnerungen
glänzender männlicher Leiber

Hart, bequollen
Rückwärtsgewand
Maßvoll, aufstilisiert
introvertiert hellenisch
bisweilen kurz

Brachten wir Maße?
Brechend die Balken
alter Hütten?
Wie gequält sind die Meter des Wohlbefindens
Reinkarniert, voll verfrachtet

Ich bin ein Storch
der durch Verlangen watet
wie durch eine große Wiese

Vorgeplenkelt ist die Reise
zuende bevor wir im benötigten
Kontext sind

Ein falschreimendes Fiasko
Ochsengang ist Ochsengang
weil die Erzählung nicht mehr stimmt?

Ich glaube
die Reste tragen immer noch
bezahlt sind sie jedenfalls

Abgeschmettert das Eine oder Andere
belegen sie noch immer die ersten Ränge
verkuppelt mit einer
namentlich Besorgten
Umkehrtransgresse

Lyrik – Barberini – Cross

Museum Barberini – Potsdam
Farbe und Licht. Der Neoimpressionist Henri-Edmond Cross
17. November 2018 – 17. Februar 2019

 

(4)
Die Brillanz des Lichts in den Farben
Ein Raum der Fülle
Der Moment, der so reich ist

Grazilität, Gelassenheit, Bewegung
Transparenz von etwas, das erst langsam
in die Sinne kommt
Welch großes Panorama einer Reinheit
der Schau und des Lebens selbst

 

19)
Märchen
und die Fraktur der Tiefe

Als Prophezeiung
tritt hier der Vordergrund hervor

Es wandelt die Spur
hinein in ein Gewohntes
Leibhaftig

Die Dringlichkeit
ist entspannt

 

27) Landschaft der Provence

Und wenn man
dann nah herantritt
überfluten die Farben
und die Dimensionen

Die Reise beginnt,
indem wir die Reise
im Anfang erfahren

 

29) Der Strand von Saint-Clair

Die Pflanzen leben hier und in weiteren Bildern einen Glanz, der uns in uns erscheint. Ein Strom, der die Menschen im Bild nicht erreicht, weniger erreicht als uns, den Betrachter. In welchem inneren Raum kommen der Maler, die Kiefer und wir zusammen?

Ein malträtiertes
Immergleiches des Ausdruck
kam hier nicht vor.
Die sanfte Gegenwart ist einfach.

 

62-90)
Aquarelle

Begehren
und tiefes Einatmen
Wenn das Leben so wäre
wäre im Begehren
Hinwendung

 

Text im Mittelgang:
„Ich möchte das Glück malen, die glücklichen Wesen, welche die Menschen in einigen Jahrhunderten (…) geworden sein werden, wenn die reine Anarchie verwirklicht ist.“ Cross an Paul Signac, 1893

 

Raum 1B3

Die „Leitbilder“ für diesen Raum:

44) Landschaft bei Bormes
und
40) Toulon, Wintermorgen

Da spricht etwas
Wir suchen und erkennen es

Es ist diese einzigartige Gegenwart
leicht und schwer zugleich

20190501 Halle_Moritzburg_Dauerausstellung

Kunstmuseum Halle/Moritzburg
Dauerausstellung 1900-45

Die lyrische Kraft geht nur von den Originalen aus.

 

Ernst Wilhelm Nay, 1936, Öl
Ausfahrt der Fischer

Ja, wir wissen es:
Es gibt ein Woher und Wohin
Und plötzlich sind die Gestalten da,
die wir schon kannten
Jetzt erschrecken sie uns

 

Nolde, 1939, Öl
Abendfriede

Es glüht
Das wissen wir
und dass es brennen könnte –
ist eine Selbstverständlichkeit
jenseits unserer Planungen
Die Flut kommt
Das wissen wir
Und das Meer
spült nicht das Salz hinfort,
das die Gezeiten ließen
Der Betrug ist die Ruhe
dazwischen

 

Alexej von Jawlensky, 1934, Öl
Meditation

Das Gesicht besteht aus
Linien
Wenn es auch noch Farbe
hat
ist es eine Meditation

 

Karl Hofer, 1927/30, Öl
Mann am Fenster

Der Ränkeschmiede Gilde
bin ich auserkoren,
dein Trugbild hier zu sein
Ich male mir die Seele
aus der Lebensfülle aus
Bedrängt bin ich
Ein seltener Gast

 

Max Beckmann, 1910, Öl
Christus in der Wüste

Es ist ja das,
was von ihm ausgeht
Nicht, was man sieht
Es ist die Verzauberung,
die Gewissheit schafft
Nicht, was man hört

 

Paula Modersohn Becker, 1906, Öl
Feldblumenstrauß

Ich weiß um Deine Weihnacht
Die Bläue hat‘s erzählt
Die Blumen kamen drinnen
aus einem Krug hervor
Mit deinem Schutzschild vor

Lyrik – Halle – Moritzburg -Sonderausstellung

Die Stille im Lärm der Zeit
MARC MACKE NOLDE
Meisterwerke aus der Sammlung Ziegler
Kunstmuseum Halle/Moritzburg 10.02.2019-12.05.2019

Die lyrische Kraft geht nur von den Originalen aus.

 

Nolde, 1915, Öl
Blumengarten mit Fingerhut

Ihr tretet mir entgegen
und seid
Mit einer Herkunft
und einem Hin
Ich gehöre zu dem Hin
jetzt
ganz eingefangen von dem Strom
in dem Ihr leuchtet
als Botschaft
Kann ich sie lesen?
Ihr macht mich zweifeln
Habe ich Eure Sprache
je verstanden?

 

Nolde, 1940, Aquarell
Weiße Lilien, blaue Glockenblumen und roter Mohn

Ihr habt Euch Raum geschaffen
Beeindruckend, fast beängstigend
erfahre ich plötzlich Eure Präsenz
Du Lilie, Du Hüterin
von was?
Unhinterfragbar Hüterin
Ich begreife „Hüterin“,
aber nichts weiter

 

Nolde, 1940, Aquarell
Rittersporn mit roten Blumen

Ein zauberhafter Raum
und wieder bin ich ganz bei Euch
Weil ich in Eurem Zauber bin
Verwirrt und staunend,
plötzlich auch Zauber zu sein
Hineingesprungen zu sein,
ohne gesprungen zu sein
Nolde Du Magier

 

Nolde, 1935/39, Öl
Königskerze und Lilien

Ich spreche, weil Du sprichst
Ich fliege, weil Du fliegst
In diesem Blau ist das Meer
Welche Urkraft hier zusammenkommt
Geborgen alles hinnehmend
begreife ich mein Gastsein

 

Kokoschka, 1959, Aquarell
Gartenblumen im Glas

Ich bin auch da
wo ihr steht
in einem Glas- und Wasserzauber
in Eurer Licht- und Lebensweite,
die hier ist als Moment
Das begreife ich
und dass dieser Moment
auch jetzt noch ist

 

Erich Heckel, 1963, Aquarell über Kohle
Kapblumen (Protea)

Ihr ragt sprechend
in mein Leben hinein
Die Ruhe, die Euch umgibt
ist nicht in Euch
Bereit zum Sprung
immer noch
Hinein in eine
blühende Existenz

 

Hans Purrmann, 1911, Öl
Landschaft bei Collioure

Ja, plötzlich
alles ist plötzlich

 

Nolde, 1935, Aquarell
Abendliche Marschlandschaft mit Gehöft

Jenseits des Alltags
schwebt hier die scheinbare Ewigkeit
unserer so langsam vergehenden Lebenszeit
Schnell gibt es nicht
Rauschhaft schreiend, dass alles anders ist,
trifft das Meer der wogenden Wiesen
auf das „mehr“ und „mehr“

 

Alexej von Jawlensky, 1912/13
Landschaft bei Oberstdorf

Hier strebt der Geist
gegen den Himmel,
in der eine Lust badet,
in den Bergen zu sein,
nahe dem Himmel
Die Erhabenheit ist
hier eine Fläche,
die trotzdem ist
Und in den Farben
gibt es eine Tür
dort hinein und da dahinter

 

Erich Heckel, 1909, Öl
Weidende Pferde

Ach, da seid Ihr!
Und ich stehe vor Euch
Welch große Freude

 

Franz Marc, 1913, Gouache (Bleistift auf Papier)
Schlafendes Reh

Wie ich Dich beneide
Schlafende in dieser Welt
Die Berge brechen längst nicht mehr
und die Bäume fallen nicht
Du bist ja immer schon gewesen

Labyrinthos – Langgedicht

LABYRINTHOS

Ein Langgedicht von Lutz Hausmann
geschrieben vom Juni bis November 2016, überarbeitet 2018
Sämtliche Rechte liegen beim Autor, Lutz Hausmann©2018
Stand: 22.07.2018

 

ERSTER TEIL

 

Hier heißt es,
heulend Stäbe zueinander kommen lassen
Hineingelockt ist eine Taube
Vermächtnis einer alten Erzählung

beleuchtend rein
auf dem Boden ausgestreckt
erwarten die Menschen
nur das Öffnen der Tür

Der Stäbe gleich hohe Spitzen
erzeugen eine Stimmung
maßhaltend frohgemut
Ein Klang zieht in Wendungen durch den Raum,
der nicht wirklich erfahrbar ist
eine Kostbarkeit an Zuwendung
Mehr verlangt hier niemand

Beseelt körperlos halten sich die Erinnerungen bereit
werthaft ungleich, aus richtungsloser Bedürftigkeit
Sie durchschreiten die Angst,
streunend zur Vollendung kommend

Ausgetrickst hohl ist der Marsch um die Bastille herum
Hochgeschwängert belasten sich die Gedanken
nicht mehr mit Schautafeln des Glücks
Sie fallen mit ihren Geburten direkt in die Tat

Gegenströme erfassen die Not
und tanzen die Möglichkeiten herbei
Welch schöner Tag
Bedächtig verlangend
die Sorgen einer anderen Zeit einschließend
fließt alles als eine schöne Reise

 

Hier ist es still geworden
Man muss das Wollen überschauen
wie es hingeworfen wurde
Vortragsgut einer vollendeten Bedingung

Bedarf es eines Aufräumens,
wenn die Schatten des Totalen
sich in die Ephemeren
dieses unhörbaren Klanges mischen?

Es klingt, was nicht sprechen mag
oft in vielfältigen Stimmen
In allem liegt das Wollen
dann als Stille drin

 

Vorbei ist die Weltarmut,
weil sie sich steigert vernichtet sie sich

Im Bus fahren Menschen heran,
um sich den Blitzen auszusetzen
Bekenntnisdrängend geht alles ganz schnell
Es ist ein Aufquellen eines Neuen,
das niemand erwartet hat

 

In wirklicher Demut
hineingefasst ins Unmögliche
ertragen die Leidenden kein Leid mehr,
weil ihnen endlich der Begriff dazu fehlt
Wer seinen Weg nicht sieht, möge sich behelfen
in genauer Abstimmung
redet die Phalanx

Nur, liegt der Behelfsgrund
unterhalb der genauen Abstimmung
Wie groß muss ein Sperrgut sein,
damit es vegetiert?
Erlöst springt schließlich
die gespannte Feder
ins Schloss der Vernunft
Heilgehofft, ausgedünnt

 

Wir bilden eine Masse
mit beredten Viermaßen
befedert formverändert

Eingeräumt die Gottlosen
binden wir das Recht
Nichts weist auf das Ende hin
Bewächtert von inneren Regeln
fahren wir in die Geisterbahn

Leuchtende Farben,
von einer Seelenlandschaft beleuchtet,
zwingen in einen Hauch des Hinsehens

Warum sollte Bekehrung einsetzen?
Unsere Verletzungen sind ein Vermächtnis
ohne das Felder besetzt sind,
die Wege zeigen

 

Es ermächtigt sich ein Raum
des Nichts, des Kontemplativen
Innengeschneidert maßgehalten
Vollkomplex durchwirkt
mit Gewächskaskaden

Wachsendes, das sich aufschließt
zur Schönheit, die Lächeln lässt
Begegnungen sind Farben
Nicht das Schwimmen
eines Tastenden

Dies ist die Wahrheit der Ursächlichkeit
Vorzeigevollzug eines raunenden
Raumes aus Qualitäten

 

 

Aber / doch
weltsäumend
verbinden die Mühen Abläufe,
die nicht zu erwarten waren

Ein meisterhaft Aufgehobenes
vertragsgemindert Uferloses
vollreif Bemächtigtes
will den Vollzug

Maßgebunden erhält es
das Gewicht einer Segnung,
weil es die Hoffnung trägt

 

Einen Felsklang gedichtet haben
aus Mehrklang
will dabei reifend erleben
wie die Freiheit ruft

Da steckt Heimat drin
wie sie gemalt ist
Kann die Hand bezeugen,
was das Auge sieht?

Frei und notwendig
wird geschlachtet

Derweil verflechten
bebalzfedernde Vorzeigeknechte
ihre Lust
hinein in gestautes Nestmaterial

Lernt die Hoffnung
wie einen Vorgang erkannt haben
aus Vielschichtigem?

Verfolgt die gerechte Recherche
den Dienst wie die Folgen?
Ist Freiheit dehnbar
als ein schleppendes Netz?

Bemalt verwässert, gespreizt betroffen
Ecklaunen verführen die Malträtierten
zu einem Weltergehen wechseldröge

 

Selten ist es an einer Reihe,
zur Vielfalt zu währen
zu einer guten Route
bemehrfördernd, oligarchiefrei
Die Grobheit wird die Auswahl treffen
Nach Regeln der Kunst –
Abgeschottet glänzt ihr Name
auf Windfahnen ihrer Beschlüsse

 

Vielgebend beraten wir
gegenwartsberegelt

Gefrierschlagend multireligiös
fällt der Schleier
umringt in Tätigkeit

Gefolgsamkeitsscheuend
warten wir auf eine Niederkunft,
die alles verändert

Die am meisten beschädigte Kupplung
maßregelt die Abstinenz
vorschlagend einer Skulptur gleich
In höherer Warte, eingemischt
verkehrtgeträumt, Hilfe suchend
Es ist die kleine Leiter,
die zum Hohen führt

Und alle diese Merkzettel,
die wie Blätter im Wind
an den Bäumen zerren

Hohl gefressen
wie ein mithängender Apfel
sind sie keine Frucht mehr
für die Zukunft

Es werden noch Dinge wahr
doch nicht die Zettel beschreiben sie
Es ist das Nichts, das sie werden lässt
Alles hat einen Agenten,
der ist begnadet
von Augenblick zu Augenblick

 

 

Undurchsichtig ist die Marianengrabentiefe
Mit dem Brevier einer Vorzeigewelt
dringt man hier nicht vor

Warum auch?
Die Tiefe ist überall,
meistens sicher,
weil sie gefüllt ist

Wo Gräben sind, sind Brücken
Das Erbe der Geschichte
als geschwungene Meisterschaft
über der Tiefe

 

ZWEITER TEIL

 

Verselbständigt bilden
die Blasen einen Teppich
Zur raugesteuerten Selbstchance bereichert
erscheint die Gabe des Guten.
Obwohl die Illusionen
immer ein mindestens Vorletztes
im immer Weiteren sind

Beständig fangen die Volksreden
anonyme Persiflagen auf,
die auf den Verstand wirken

Warum die Müllszenerie
in den Sand setzen
wo doch die gurgelnden Abläufe
viel schneller wirken?

Haben wir die Möglichkeit
zuletzt verpasst?
Sind wir chancenlos?
Bedeutet die Kraft keine Umkehr mehr?

Aus der Geschichte erwachsene Umkehrsynapsen
begleiten eine vielsagende Durststrecke,
eine Dienstverrohung,
ein Verschmelzen der Begleitumstände

Bleibensbefeuert stilisiert sich
ein Rahmen des Verzichts
gerade dort wo die Gefahr
am größten ist
Hochgedrängt als Phase
der Unruhe, verantwortet
die Glaubensmasse
eine Messe des Vertrauens

Wo ist die Ausrichtung,
die den Garten
zur schwingenden Reife bringt?
Besamt über die Notwendigkeit hinaus
fehlen die Blüten, die bereit
zur Befruchtung wären
Lust ist bleibeschwert
wo sie nicht engelgleich
in Paradiesen schwebt
Aufgeklappt zu Tischen
ist das Picknick bereitet
„Zum fliehenden Karpfen“
nennt sich das Lied
Die Seelen scheinen
ganz ausgeglichen zu sein

In dieser Reihe taucht plötzlich
die Resonanz zu einer Wahrheit auf
Als Reaktion darauf
berät sich die Ägide des Denkens
in Hinterzimmern
aber prüft die Kontakte nach außen

Eine seltene Klage
wird zum Problem erklärt
Betriebsblind erkennt die erste
Erwartung dabei
den Nimbus als charakterloses Charisma
Es ist das was passiert
in numerologischer Untiefe

Wo steht die Ordnung,
wenn sie sich stählt,
der Unordnung zu widerstehen?
Krankt die Seele vom Ganzen
am janusköpfig Einfachen?
Wie Staub nimmt es die klare Sicht,
weil das Eine
sowohl auch das Andere ist

Im Herzen der Dinge
spalten sich die Wege
und wir sind alles jederzeit
Eine angstmachende Relativität,
die uns in Wunden widerfährt

Meistbietend erschleudern wir uns
gerne in die erste Reihe
Milchsaure Hol- und Bringedienste
erschaffen hier
ein maßberegeltes Chaos des Zulassens
Was gewachsen ist, erhält
den Keimgrund zum Spaßigen

 

 

Wir nähern uns dem Zentrum
da wo das Ungeheuer fressen muss,
um weiter zu leben
Wir entarten
und mit uns unser Weg
hinaus aus dem Labyrinth

Wertstofffördernd begibt sich
die Elite
vom Schrecken getrieben
an den Rand des Beobachtbaren
Wo das Hinsehen heilt,
weil es fesselt, ohne einzusaugen

 

Auf einem Gemälde
In einem Sonnenlichtschauer am Abend
gefolgschaftstreu die Neuen,
die Muster mit ihrer Angst malen
Monogames Theater gefestigter Scheupferde
vorerst verlobt mit dem Dienst

 

 

Komm Greifendes im Absturz
befürworte Dein Reich
Bebildere die Heimat,
die uns bleibt

Unser Schicksal entblößt sich
als ein uns Zerreissendes,
in dem wir alle eins sind

Komm bequellförderndes Aufmaß
und bringe die Sackgassen
in unseren Seelen zu Dir

Du hast die Reinheit bemerkt
in jedem von uns
und die Hoffnungslosigkeit
im wahren Ernst zu sich

Gott, wie sehr wir Dich im Munde führen
als Wort, das unseren Mund aufbläht
und unsere Zähne fletschen lässt

 

Wir machen unsere Hoffnungslosigkeit
zu Mauern

Wir freuen uns auf Worte,
wenn sie in die Herzen fallen
Nur ist das Wort auch die Flamme
und wir fliehen das Feuer
auf unserer Haut

Lästern und lachen –
Als Sklavenhalter sind wir selber Sklaven
und Gefangene des Spiels,
das uns ständig überholt

Dieses ironische „Als ob“
als Betriebsgeheimnis
Geschmeissglocke fallender Rüpel
gewaltsames Hörkapitel

Ausgelacht tremolierend
die Herzstoßlegende
einer fliehenden Stausoufleuse
minderveralbernd die Sternsinger,
weil sie holend den Bringedienst tun

Hineingeworfen in diese Mühle
zermahlen sich die Mühen
Als Häcksel finden sie sich verteilt
dort wo alles wachsen muss,
ob es will oder nicht

 

 

Das Machbare ist durch viele Filter gerutscht
Dabei ist das Kluge so betörend abwesend,
dass es als Leerstelle Standard wird

Die Lücke ist die Prophezeiung

Polternd trifft die Betriebsamkeit
auch auf ein Resozialisierungsprogramm
für Fernmeldeboten im Priesteramt
Die Wahrheit vernuschelt sich hier irgendwo
im Traditionsverband
Der steckt knietief in der Gewissheit
seiner selbst

Überhaupt herrschen Glaubensverbände
dort wo gemessen wird
Nicht der Inhalt, aber die Performance
„Entweder gehörst Du dazu oder nicht“

Wir helfen uns gegenseitig in unserer Not
mit Brosamen vom Teller
der glückseligen inneren Auftischung
Ein bärenstarkes Programm
Mit einer Mehrheit
ermangelt es des Rückwärtigen nie

 

Galant bis elegant
bekommen die Positionen
ein mehrebiges bis Gespaltenes
in der Ruhe
die trotz alledem vorherrscht

Bespreizförderndes
bemächtigend wohlgefälliges
Umgesellen
hält Wache an der Schwelle
zur Machtprobe

Denn es gibt nichts,
das der Explosion gleichkäme,
die sich so viele ersehnen
Ein Sprengen von gemauerten Gängen,
die nicht weiterführen

 

Wir gleiten gemeinsam
hinein in ein Neues
Wir lieben dieses Leben wo wir können
Ausgebuchtes solange wir jung sind
gescheitert, wenn die Sehnsucht
zum Loslassen herrscht

Dann steht die andere Liebe vor der Tür

Doch Bespinnförderndes hintangestellt
brilliant umgefärbt
aus Demut mit Vorsicht hingegeben
kann das Spektakel der Heimdramen
seine einzigartige Besenreinheit erhalten

Beleidigend trittsicher
zerquält sich der Weg
zu einem Opfer
Mühsam vorausgesetzt,
es gibt ein lohnendes Ziel

Verlierensknecht und Verbleibensschuld
malen sich Hoffnung aus
für das untere Drittel

Eingepfercht und suchend
die Didaktik der Grundschule
mit allen Aufgaben, für alle Stunden

Viel Freude herrscht
in Ausnahmezonen
Es gibt viel zu feiern
Unsere ganze Existenz

Wir bekommen,
wofür wir dankbar sind:
Immer wieder draußen zu sein

 

Ende

 

Labyrinthos – Ein Langgedicht von Lutz Hausmann
Stand: 22.07.2018
geschrieben vom Juni bis November 2016, überarbeitet 2018
Sämtliche Rechte liegen beim Autor, Lutz Hausmann©2018