Kommentar zur Schöpfungsbewahrung

Kommentar zur Schöpfungsbewahrung

Anlässlich eines Gemeindefestes am Weltladentag 2019
11.05.2019

Schöpfung! Wir sind Teil davon. Ohne sie würden wir nicht existieren, könnten wir nicht existieren. Aber das, was wir Schöpfung nennen, könnte gut ohne uns geschehen. Andersherum gibt es nicht wenige Menschen, die glauben, eine technische Nachschöpfung wäre eine Zukunftsoption; künstliches Leben einschließlich Befruchtung in Vitro für den Menschen und alles was er zum Leben benötigt?

Die Mehrheit der Menschen ist zurzeit besorgt. Es gibt kaum jemanden, der den Witz von den zwei Planeten, die sich begegnen, nicht versteht. Dem einen geht es schlecht. Er hat Menschen. Der andere Planet beruhigt ihn. Keine Sorge, diese Krankheit gehe schnell vorüber. Eine Schöpfung ohne Mensch? Ist das von der Schöpfung so gedacht? Ist das von unserem Schöpfer so gewollt?

Die christliche Antwort auf diese Frage ist eindeutig. Papst Franziskus hat sie in seiner Enzyklika „Laudato si‘“ beantwortet. Die Initiative der orthodoxen jüdischen Rabbiner, mit der sie den Christen eine Hand reichen, beantwortet die Frage ebenfalls. Die Position der protestantischen Kirchen, ob der Mensch ein gewollter Teil der Schöpfung ist, ist auch eindeutig.

Der Mensch ist für die jüdisch-christlichen Schriften keine Krankheit der Erde, sondern ein ganz besonderer Mittler Gottes zu seiner Schöpfung. So wie Jesus-Christus ein Mittler des Menschen hin zu Gott ist, so ist die Menschheit ein Mittler Gottes hin zu seiner Schöpfung auf dieser Erde.

Gott hat in den Schriften etwas vor mit den Menschen. Nirgendwo kann man herauslesen, dass der Mensch der Zerstörer seiner Schöpfung sein soll. Da stimmt also heute etwas nicht!

Was haben Theologen zum prekären Verhältnis des Menschen zur Schöpfung zu sagen? Im Karl-Barth-Jahr gibt es hin und wieder die Erwähnung seiner Vorstellung der grundsätzlichen Erlöstheit der Menschheit. Luther glaubte noch stark an einen zweifachen Ausgang der Menschheitsgeschichte, an einen Ausgang zum Heil und einen Ausgang zur Verderbnis. Dies wird heute gern als mittelalterlicher, heute überwundener, Höllenglaube abgetan. Aber, ironisch gefragt, wenn der Mensch eine Seele haben sollte und er stürbe, ohne dass seine Seele eine Heimat finden könnte, wäre das nicht sein Verderben?

Also wie ist das mit dem Menschen und der Schöpfung? Das Thema hat wohl irgendwie mit Heimat zu tun und vielleicht irgendwie mit Heimat in einem übergeordneten Sinne.

Das sich wohlfühlende, sich im eigenen Körper Beheimatetfühlen gilt heute als zivilisatorisches Recht des Menschen. Und unsere Zivilisation bietet uns in dieser Hinsicht auch Einiges. Auch sich in besonderen Formen der Familie beheimatet zu fühlen, ist heute mehr und mehr ein zivilisatorisches Recht. Der Besitz schließlich wird ganz besonders beschützt, eben weil er mit der Beheimatung des Menschen so zentral verbunden ist. Aber eben gerade bei der Beheimatung in Körper, Familie und Besitz erleben wir auch die größten Zivilisationsbrüche.

Ein ernstes Symptom unserer zivilisatorischen Verschränktheit ist unsere Unfähigkeit, einen guten Weg zu finden. Unsere Zivilisation führt vermehrt zu Brüchen, weil wir uns immer weniger von ihr lösen können, wenn wir versuchen unser heilig lebendiges Leben zu gestalten.

Wir Menschen besitzen nicht die Schöpfung und wir müssen uns hin und wieder fragen, ob das kleine Königreich, das wir uns geschaffen haben, in die Vorstellung einer übergeordneten Beheimatung in der Schöpfung passt. Das ist ein schwieriges Thema, zu dessen Bewältigung unsere Kultur noch keine Wege kennt.

In den Kirchen beten und fürbitten wir. Aber Wege hinein in eine Einheit des Lebendigen finden wir dort nur als Benennung der Herausforderung. Wenn wir uns mit dem Thema Mensch und Schöpfungsbewahrung beschäftigen, schwanken wir hin und her, wir prallen von einer Wand zur anderen und stoßen uns. Uns als Teil des heiligen Lebens zu empfinden und es zugleich zu gestalten, das wäre der Weg, der uns zu Gott führen würde.

Der christliche Weg damit umzugehen, ist sich der höchsten Instanz, der man zugänglich ist, anzuvertrauen und sowohl Chancen zu schaffen, wie auch Chancen für andere zuzulassen. Zu einer solchen Beheimatung im höheren Sinne gehört auch die Hoffnung. Aber der Freude und Hoffnung im Garten hinter dem Haus entsprechen manchmal drei Autos vor dem Haus. Es sind keine einfachen Verhältnisse, in denen wir leben.

Text: Lutz Hausmann

Lutz Hausmann

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