Gewordenes und Gemachtes – Menschliche Existenz als Gewordenes im Gemachten

Gewordenes und Gemachtes als zwei Formenkreise, die sich auf der Erde gegenüber stehen

Menschliche Existenz als Gewordenes im Gemachten

Wir leben in einer planetaren Umgebung, in der das Gemachte das Gewordene zunehmend verdrängt. Dass man dies als planetarische Tatsache ausdrücken kann, ist relativ neu. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich der Prozess verstetigt und gilt seit geraumer Zeit in jeder Weltgegend als unumkehrbar.

Die Versiegelung und Verstädterung der Erde, die zahlreichen erheblichen Umweltbelastungen und das Artensterben sind Indikatoren, die am deutlichsten das neue Bild des Lebens auf diesem Planeten bestimmen.

So erleben viele Menschen das Gewordene nur inselhaft oder unklar. Selbst auf dem Land ist es nicht so präsent, wie es den Anschein hat. Erstens hat sich auf das Gewordene ein Schleier gelegt. Es sind Microplastik, Quecksilber, Weichmacher, Pestizide und Klimagase, die praktisch überall als menschengemacht nachweisbar sind. Zweitens sind die Landschaften, in denen Menschen leben, auch auf dem Land, weitgehend vom Menschengemachten geprägt. Und drittens leben die meisten westlichen Menschen unvermeidlich in einer undurchdringlichen Blase des Gemachten. Selbst wenn hinter ihrem Haus ein Garten liegt, betreten sie das Gewordene fest eingefügt in das Gemachte, das sie immer mit sich nehmen. Das ist auch in Urlauben und Ausflügen der Fall. Der mentale Ort, an dem die meisten Menschen auf der Erde leben, ist im Gemachten.

Wenn wir feststellen, dass das Gemachte das Gewordene verdrängt, betrifft dies deshalb nicht nur die Biosphäre. Es betrifft auf genauso dramatische Weise unser Bewusstsein, unsere Art, wir selber zu sein, unsere Personhaftigkeit. Darum soll es im Folgenden gehen.

 

— Text in Überarbeitung —

Stand: 27.11.2022

 

Gewordenes und Gemachtes – Zwischenbemerkung 1

Gewordenes und Gemachtes als zwei Formenkreise, die sich auf der Erde gegenüber stehen

Zwischenbemerkung 1

Wir haben als Zeitgenossen auf vielen Themenfeldern Klärungsbedarf.
Dabei geht es vordergründig um neue Arrangements und um Optimierungen. Gleichzeitig werden immer mehr Warnschilder aufgestellt. „Bis hierhin und nicht weiter.“ Das betrifft das Klima und natürlich das Artensterben aber eigentlich unseren gesamten Existenzbereich.

Es ist zu erwarten, dass in naher Zukunft in allen Bereichen unserer Daseinsvorsorge Stoppschilder aufgestellt werden, und damit wird eine Ratlosigkeit verbunden sein.

Unsere Probleme beschreiben das, was wir als Menschen originär zu verantworten haben. Dabei gibt es ein Innen und ein Außen. Entsprechend dem Betreten einer Stadt durchqueren wir zuerst einen Übergangsbereich zwischen naturräumlichen Bedingungen und dem, was wir selbst geschaffen haben. Zum Inneren der Stadt hin steigert sich dann die Abhängigkeit von Schicksalsentscheidungen der Menschen. Es ist ihre Existenz, die sie hier tatkräftig in ihre Art der Nachhaltigkeit umsetzen.

Im Außen der Stadt berühren wir unsere stammesgeschichtliche Resonanz mit dem Gewordenen. Im Innen der Stadt haben wir aus dieser Resonanz heraus unsere Existenz transformiert. Die Stadt ist eine Metapher für die Anwesenheit des Menschen auf diesem Planeten.

Weit weg ist das Mikroplastik in entlegenen Naturräumen. Weit weg das Schmelzen der Pole und des Permafrosts. Da wo die Stadt am städtischsten ist – in uns, sind auch Überschwemmungen und Dürren weit weg und auch Luftverschmutzung und andere Belastungen. Der Primat der transformierten Existenz, in Gestalt unseres neuen Organismus, ist nicht mehr zu verdrängen. Dort wo die Stadt am städtischsten ist, wird diese neue Existenz und dieser neue Organismus wahrscheinlich auch alle Stoppschilder überfahren.

Wieviel Raum nimmt diese neue innere Burg des Menschen auf der Erde ein? Es ist auf jeden Fall eine starke Festung, die sich im Inneren der meisten Menschen befindet. Auch Ausnahmen bestätigen die Regel.

Es wird manchmal von der neuen Schöpfung gesprochen. Dies ist ein passendes Bild. Wir sind in die neue Schöpfung hineingeglitten wie in eine neue Haut, ebenso alternativlos und umfassend. Eventuell trauen wir uns deshalb keine Umkehr zu.

In dieser Situation scheint es richtig, sich um Trennschärfe zu bemühen, um den unterscheidenden Blick auf das, woher wir kommen und dem, was wir daraus gemacht haben, zu schärfen. Denn wir sind immer das, woher wir kommen, und wir kommen aus beidem, der stammesgeschichtlichen Resonanz mit dem Gewordenen und unserer, in zahllosen Schicksalsentscheidungen transformierten Existenz.

In einer existenztransformierenden Schicksalsentscheidung geht es meistens um Leben und Tod. Wenn wir uns für das Leben entscheiden und ein wenig Tod mit in Kauf nehmen, gehört der Tod zukünftig mit dazu.

Das war wahrscheinlich immer so, aber unsere Handlungsfelder haben sich nach und nach weiter in die Stadt verlagert. Jetzt wissen wir alle wie und wo die Stadt am städtischsten ist und sie gehört zu unserem Leben dazu.

Stellen wir uns folgendes Bild vor: Wir sitzen in einem großen Park. Hin und wieder laufen andere Menschen an uns vorbei oder setzen sich auf nahe Bänke. Dann sind wir wieder allein. Immer wieder wechseln diese Szenen. Am Ende ist es stets erneut der Park, in dessen Präsenz wir uns wiederfinden. Dort wo die Stadt am städtischsten ist, sind so viele Menschen in den Park geströmt, dass deren Gegenwart bestimmend ist. Wenn wir jetzt versuchen, das Beste aus der Situation zu machen, kommen wir nicht umhin, das Beste aus der Präsenz der Menschen und ihrer Aktivitäten zu machen. Die Präsenz des Parks ist in den Hintergrund gerückt. Was hat der Park jetzt mit unserem Leben zu tun? Offensichtlich ist der Park vom Ort unserer empfundenen Lebensqualität weit entfernt.

Es geht um Qualität.
Qualität ist ein Faktor mit ebenfalls einer großen Präsenz.

Gewordenes und Gemachtes – Vergleich der Qualitäten

Gewordenes und Gemachtes als zwei Formenkreise, die sich auf der Erde gegenüber stehen

Die Qualität des Gewordenen im Vergleich zur Qualität des Gemachten

Die Qualität des Gewordenen bringt immer wieder das Gewordene hervor. Hervorgebracht wird das, was dem Gewordenen inhärent ist. Diese Inhärenz geht in einer Genealogie zurück auf die ersten Eigenschaften der Materie nach dem Urknall.

Das Gemachte dagegen hat keine eigentliche Qualität. Qualität ist dort die Qualität innerhalb des Gemachten, die so vielfältig ist, wie es gemachte Formen gibt. Es sind die vielfältigen Verwirklichungen der vielfältigen Intentionen, die die Qualität im Gemachten ausmachen.

Während im Gewordenen seine Inhärenz der Gesamtheit als Qualität in jeder Form abgebildet ist, sind es im Gemachten jeweils eine neue Intention und ein neuer Plan, die die Qualität der einzelnen Form bestimmen.

Die vielfältigen Formen unserer von uns selbst geschaffenen Umgebung auf diesem Planeten sind alle mehr oder weniger in einer Werkstatt- oder Laborsituation entstanden. Auch der Ort, an dem ein Faustkeil entstanden ist, gehört dazu.

Aber auch unsere Erde ist eine „Werkstatt- und Laborbedingung“. Nur haben hier Werkstatt- und Labor kurz nach dem Urknall bereits Gestalt angenommen. Diese Werkstatt- und Laborsituation findet sich nun überall dort wieder, wo zwei Formen des Gewordenen miteinander wechselwirken. Jede Wechselwirkung, die zu einer neuen Bindung mit neuen Eigenschaften führt, findet genau genommen in dieser Werkstatt- und Laborbedingung der ersten Minuten statt.

Mit jeder Wechselwirkung, die zu einer neuen Bindung zwischen zwei Formen des Gewordenen führt, treten neue Eigenschaften des Gewordenen hervor. Diese neuen Bindungen und Eigenschaften sind aber nicht je spezifisch intentional entstanden, sondern sie sind die Konsequenz aus allen vorherigen Wechselwirkungen, Bindungen und neuen Formenbildungen. Sie gehen auf Grundbedingungen zurück, die kurz nach dem Urknall herrschten. Die Materie in ihrer komplexen Ausprägung ist sozusagen eine Genealogie ohne je dazwischen hinzutretende intentionale Subjekte. Wenn es eine Intention geben sollte, dann ist sie der gesamten Genealogie inhärent.

Dies ist bei den Formen des Gemachten grundsätzlich anders. Zusammengesetzte chemische, pharmazeutische und biotechnologische Produkte, sowie Werkzeuge, Apparate, Maschinen usw. entstehen nach einer Intention und einem Plan, eines oder mehrerer Menschen oder einer Computersoftware. Auch alle anderen Gegenstände des Bedarfs entstehen aus einer Intention. Die Qualität der Umsetzung dieser Intention bestimmt die Qualität der gemachten Form.

Alles, sowohl das Gewordene wie das Gemachte, besteht letztlich aus der Materie dieses Universums. Das Gewordene und das Gemachte bilden aber eine unterschiedliche Qualität ab.

Das Gewordene bildet immer wieder als Gesamtheit seine Inhärenz ab, die in einer Art Genealogie auf die Eigenschaften der Materie kurz nach dem Urknall zurückgeht.

Das Gemachte bildet dagegen keine Qualität seiner Gesamtheit ab, sondern besitzt seine Qualität im Gemachten, als die Qualitäten der einzelnen gemachten Formen.

Beide unterschiedlichen Qualitäten schließen sich aus, so scheint es.

 

Gewordenes und Gemachtes – Das Gemachte

Gewordenes und Gemachtes als zwei Formenkreise, die sich auf der Erde gegenüber stehen

Das Gemachte

Im Gegensatz zum Gewordenen besitzt das Gemachte keine einheitliche Qualität und kein einheitliches Bewusstsein. Das Gemachte, das sind die Formen mit einem Innen und einem Außen, die vom Menschen gemacht worden sind.

Hier gibt es grundsätzlich die intentional, also vom Menschen mit einem Vorsatz und einem Plan gemachten Formen selbst und andererseits die Überbleibsel, die Reste, die ungewollten Nebenprodukte, die Verdrängungseffekte, das Gift, den Müll, den die intentional gemachten Formen mit in unsere Lebenswelt gebracht haben.

Es gibt Gemachtes, das fast vollständig aus lediglich manipulierten und fraktionierten Formen des Gewordenen besteht. Das ist z.B. bei den Produkten der chemischen und pharmazeutischen und der Materialindustrie der Fall. Die Biotechnologie gehört auch dazu. Hier ist der Anteil des Gemachten trotzdem sehr hoch, weil die gewordenen Formen, die als Rohstoffe dienen, intentional durch eine gezielte Dissoziation und Rekombination neue Wechselwirkungseigenschaften erhalten, die es so vorher nicht gab und die mit einer Urheberschaft verbunden sind. Die neu geschaffenen Wechselwirkungseigenschaften können auch in der Unterdrückung von Wechselwirkungen bestehen. Bei nur mechanisch wirkenden Nanopartikeln oder Spezialeigenschaften von Oberflächen aber auch bei Pflanzen ist dies der Fall.

Sehr viele Formen unseres von uns neu geschaffenen Kontinents des Gemachten sind zusammengesetzte Formen. Plakative Archetypen dieser Welt sind Autos und Smartphones aber auch ein modernes Haus oder ein Toaster.

Grundsätzlich ist unsere Welt der Dinge, die hier gemachte Formen genannt werden, beiden Kategorien zugehörig, dem Gewordenen wie Gemachten. Die Einzelteile, z.B. eines zusammengesetzten Apparates, bestehen nicht nur wiederum aus zusammengesetzten Einzelteilen, sondern die Einzelteile selbst wären ohne einen sehr hohen Anteil aus Stoffen der chemischen und Materialindustrie nicht denkbar, welche am Ende natürlich aus Rohstoffen des Gewordenen bestehen. Dies trifft so auch auf den großen Bereich der Nahrungsmittelindustrie zu und genau so auf die Kosmetik- und Bekleidungsindustrie usw.

Der tatsächliche Anteil des Gewordenen im Gemachten ist mit der Zeit immer geringer geworden. Schon grundlegendste Ausgangsstoffe für das Gemachte sind heute so verändert, dass sie nicht mehr als Teil des Gewordenen angesehen werden können.

Unser selbst gemachter Kontinent des Gemachten besteht aus vielfältig verschachtelten und kombinierten menschengemachten Ausgangsstoffen und Einzelteilen. All dies zusammen ist die Welt der gemachten Formen, die immer mehr in den Gegensatz zur Welt der gewordenen Formen, der unbelebten und belebten Materie, geraten ist.

Dies kommt einer Verdrängung gleich. Das Gemachte verdrängt zunehmend das Gewordene. Dies wird auch in den vielfältigen Umweltproblemen sichtbar.

 

Gewordenes und Gemachtes – Qualität des Gewordenen

Gewordenes und Gemachtes als zwei Formenkreise, die sich auf der Erde gegenüber stehen

Die Qualität des Gewordenen

Innerhalb des Gewordenen scheint es keine Instanz, außer der Qualität des Gewordenen, zu geben. In den Formen des Gewordenen sind Bewusstsein und Wechselwirkung kongruent, ohne trennende weitere Instanz. Dies beschreibt das Gewordene bis hin zum Menschen, in seinen physiologischen und autonomen Funktionen.

Sich einen Fokus vorzustellen ist ein möglicher Zugang zur Besonderheit dieser Kongruenz von Bewusstsein und Wechselwirkung. Der Fokus bestünde nicht aus Licht, weil das Licht mit zu dem gehört, was in diesen Fokus kommt. Dieser Fokus ist ein Qualitätsfokus. Er fokussiert eine Qualität der Einheitlichkeit. Das Merkmal dieses Fokus ist, dass er wieder diese Einheitlichkeit und diesen Fokus hervorbringt. Dies aber an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit. Die Qualität des Fokus bleibt jedoch immer gleich, d.h., er bringt immer wieder diese Qualität hervor. Er hat eine gleichbleibende Qualität. Er ist ein dislokaler, an jedem Ort gleichzeitig wirkender Qualitätsfokus ohne auszumachende Herkunft.

Zu den Formen des Gewordenen kann man mit Sicherheit folgendes sagen: Es gibt erstens ein Woher, zweitens ein Miteinander in Einheit und drittens eine sich manifestierende Qualität, die die Identität des neu Hervorgebrachten eben in Identität mit der Gesamtheit des Gewordenen erhält. Die gleichbleibende, überall vorfindbare, gleichbleibende Identität der gewordenen Formen ist die einer Qualität, aus der heraus die Formen in der Lage sind, diese Qualität erneut hervorzubringen.

Jede Form der gewordenen Materie, einschließlich der Formen der Biosphäre, befinden sich in dieser Qualität der Dreieinigkeit. Jede Form des Gewordenen ist erstens aus einer Herkunft, zweitens in Gemeinschaft mit den Formen, die mit ihr aus dem Gewordenen hervorgegangen sind und drittens „als das alles“.

Eine Qualität, die sich überall wiederfindet, verweist auf einen Weg der Weitergabe von Informationen und zweitens auf eine Art Vernetzung dieser Informationen. Auch dies kann man in diesem Sinn Bewusstsein nennen. Aber die eigentliche Legitimation zum Gebrauch des Begriffs „Bewusstsein“ bezieht sich auf die Wechselwirkung der gewordenen Formen der Materie, die die Bindung der Formen untereinander mit einschließt. Eine gewordene Form „weiß“ an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit wie sie wechselwirken soll.

In diesem Sinne ist hier die Verwendung des Begriffs „Bewusstsein“ zu verstehen. Denn in den Wechselwirkungen vollzieht sich der spezifische eigene Charakter der Materie dieses Universums. Dieser Charakter könnte in einem anderen Universum ein denkbar anderes Profil haben. Das spezielle Profil von Naturkonstanten, mit dem genau unsere Materie in unserem Universum immer wieder neu hervortritt, ist tatsächlich bemerkenswert. Es ist eine Materie, die prädestiniert ist zur raschen Hervorbringung von Formenvielfalt.

Die besondere Qualität des Gewordenen, die sich in 13,8 Milliarden Jahren immer wieder selbst hervorgebracht hat, verweist sowohl auf eine homogene Informationsbasis wie auch auf ein homogenes Bewusstsein. Qualität, Information und Bewusstsein scheinen hier zusammen zu gehören.

Gewordenes und Gemachtes – Das Gewordene

Gewordenes und Gemachtes als zwei Formenkreise, die sich auf der Erde gegenüber stehen

Das Gewordene

Die Grundbeschreibung des Gegeneinanders des Gewordenen und des Gemachten ist die Grundbeschreibung aktueller Probleme. Wir berühren dabei die Kosmologie, eine Auffassung der Dreieinigkeit und etwas, was man Qualität nennen kann.

Die Formen des Gewordenen zeigen eine besondere Qualität, die vermuten lässt, dass diese selber im Zentrum des Gewordenen steht. Diese Qualität finden wir nicht in den Formen des Gemachten.

Die besondere Qualität des Gewordenen zeigt sich darin, dass es wieder Gewordenes hervorbringt. Die Materie- und Lebensformen des Gewordenen bilden das Gewordene so aus, dass man sowohl vom Erhalt, wie von der Orientierung an einer zentralen Qualität sprechen kann.

Das Gewordene ist eine Gesamtheit, die sich aus sich selbst heraus entwickelt hat. Dies ist in den einzelnen Entwicklungsschritten ohne neue intentional wirkende Instanz geschehen. In dieser Entwicklung sind die einzelnen Glieder „kompatibel“ zueinander geblieben. Soweit wir es überblicken können, fand und findet die Entwicklung des Gewordenen innerhalb eines stabilen Sets von Eigenschaften und Bedingungen statt. Die Naturkonstanten veränderten sich nicht. Außerdem sind die Bestandteile des Gewordenen identisch geblieben, wie in einem Baukastensystem, mit dem man etwas aufbauen, wieder auseinanderbauen und erneut etwas anderes aufbauen kann. Im Verlauf des zunehmend komplexeren Aufbaus haben sich die Bestandteile also nicht derart verändert, dass sie einzeln nicht mehr in derselben Weise wechselwirkten wie vor der Synthese zu mehr Komplexität. Man kann sagen, dass, auch über die Rekombination der Bestandteile hinweg, diese dieselben bleiben.

Andererseits hat sich das Gewordene im Verlauf seiner Existenz dramatisch verändert. Wir sprechen von einer Zeit seit dem Urknall bis heute. Das sind wahrscheinlich etwa 13,8 Milliarden Jahre. Im Verlauf dieser Zeit haben sich verschiedene Wechselwirkungshorizonte ausgebildet. Das sind die der Elementarteilchen und Atome und die je chemischen und biologischen Wechselwirkungshorizonte.

Als eine Vereinfachung lässt sich feststellen, dass sich die Orte des Gewordenen verändert haben, das Gewordene als solches aber gleichgeblieben ist.

Das, was das Gewordene eben zum „Gewordenen“ macht, sind die neuen Orte, die es hervorgebracht hat und weiter hervorbringt, die sich weiterhin in der Identität des Gewordenen befinden, Gewordenes hervorzubringen. Von diesen neuen Orten aus wird das Gewordene nicht in Frage gestellt. Es bleibt mit jeder weiteren Hervorbringung das Gewordene, das eben Gewordenes hervorbringt. Diese Abfolge, man kann auch sagen diese Identität, wurde, soviel wir wissen, nie durchbrochen bis zu dem Zeitpunkt als auf diesem Planeten das Menschengemachte das Gewordene substantiell veränderte. Das Gewordene selbst bringt wiederum Gewordenes hervor mit dem immer gleichbleibenden Potential des Gewordenen, Gewordenes hervorzubringen.

Ein Ort des Gewordenen ist typischerweise eine Form. Das Gewordene hat verschiedene Formen der unbelebten und belebten Materie ausgebildet. Eine Form hat immer ein Innen und ein Außen. Nach außen wechselwirkt die Form, im Innen befindet sich ihr Bewusstsein, ihr Wissen um sich selbst. Anders kann man die stabile Identität der gewordenen Formen nicht herleiten. Dieses Wissen ist jedoch dislokal, sein originärer Ort ist nicht die einzelne Form.

Das Gewordene hat immer wieder das Gewordene hervorgebracht. Dass es sich dabei nicht grundsätzlich verändert hat, ist eine bemerkenswerte Feststellung. Dass das Gewordene sich dabei aus sich selbst hervorgebracht hat, ist als Zweites bemerkenswert. Das Gewordene war und ist während dieser Prozesse der Synthese, Dissoziation und Rekombination seine eigene Instanz.

Da ist etwas gleichgeblieben. Das sollten wir, vielleicht sogar in Anerkennung, feststellen. Denn das, was gleichgeblieben ist, ist eine besondere Qualität. Das Gewordene scheint inhärent diese Instanz und Qualität zu sein. Deshalb verdient das Gewordene als die Qualität, die es in dieser Weise ist, eine besondere Aufmerksamkeit.

Gewordenes und Gemachtes – Einleitung

Gewordenes und Gemachtes als zwei Formenkreise, die sich auf der Erde gegenüber stehen

Einleitung


„Gewordenes und Gemachtes“, das ist vereinfacht die Gegenüberstellung der Natur gegen den Rest. Begrifflich treffen wir dabei auf erhebliche Schwierigkeiten in diesem Gegen- und Miteinander der zwei Hauptkategorien unserer Lebensumgebung. Doch  in dieser Gegenüberstellung sind alle aktuellen Aufgaben enthalten, deren Bewältigung wir uns als globale Gemeinschaft im Moment vornehmen. Die Gegenüberstellung des „Gewordenen“ und des „Gemachten“ ist der Versuch einer Konzeptualisierung, um dabei mehr Trennschärfe zu erzielen. Es geht um die philosophische Erarbeitung eines Blickwinkels auf einerseits das, was uns mitgegeben ist und andererseits auf das, was wir daraus gemacht haben. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Herausarbeitung eines Konzepts der Qualität für die beiden Kategorien. Die aktuellen Existenzprobleme bleiben in diesen Betrachtungen immer im Vordergrund.

Wenn wir als Menschen unsere Welt beschreiben, beschreiben wir vermehrt Problemfelder, die um unsere natürlichen Ressourcen kreisen. Andererseits schwärmen wir glücklich über die Geschenke der Natur um uns. Die Natur ist etwas Besonderes auch über alle Ambivalenzen und Begriffsunklarheiten hinweg. Sie ist als Heil- und Sehnsuchtsort für uns mit einer bestimmten Qualität verbunden, die uns unmittelbar anspricht und gewiss erscheint. Was die Natur aber eigentlich ist, wo sie anfängt und wo sie aufhört, ist weniger klar zu benennen. Schon der Begriff „Natur“ wurde und wird sehr verschieden verwendet. Außerdem ist die Natur integraler Bestandteil unserer Technologien geworden und als solche nur noch schwer zu identifizieren. Hinzu kommt, dass wir uns vor ihr schützen. Wir bringen sie unter Kontrolle, dort wo sie zur intimen Existenzzone des Menschen gehört, in Stadt, Land, Garten, Fluss, Küste und Bergen. Alles das hat unser Verhältnis zur „Natur“, aber auch die Natur selbst sehr verändert.

In der Aktivität der vielen umweltengagierten Gruppierungen und der hohen Priorität der entsprechenden Themen in der Öffentlichkeit spiegelt sich ein Selbstklärungsprozess. Auch wenn vordergründig bestimmte Lösungen vertreten werden und dafür gekämpft wird, findet doch in erster Linie vorerst eine Standortbestimmung statt. Wo stehen wir mit unserer selbsterschaffenen Welt den natürlichen Ressourcen gegenüber?

Hier in diesem und weiteren Texten zum Thema wird vorgeschlagen, die Standortbestimmung versuchsweise entlang des Gegensatzpaars geworden/gemacht vorzunehmen. Die aus sich selbst, in einer langen Entwicklung,  hervorgegangenen natürlichen Ressourcen werden als das GEWORDENE, die menschengemachte Welt als das GEMACHTE bezeichnet.

Dabei wird versucht, den Begriff „Qualität“ in den Vordergrund zu bringen und einzubinden. Dies passiert auch aus einer religiösen Motivation heraus. Das hier vorgestellte Konzept einer Gegenüberstellung des Gewordenen und des Gemachten ist jedoch im Kern eine philosophische Analyse. Sie liegt hier in einer Kurzform vor.

 

Das Leben der Menschen auf diesem Planeten ist das der einzelnen Personen, der sozialen und politischen Gruppierungen und vor allem der Wirtschaftsakteure. In vielfachen Rollen- und Interessenüberschneidungen hat sich eine Dichte von Dynamiken entwickelt, die kaum noch zu entwirren, geschweige denn zu lenken ist. Diejenigen, die das versuchen oder daran teilhaben wollen, geben vermehrt hohe Wertvorstellungen in Lösungsansätze und hoffen, dass die Qualität, die sie damit heraufbeschwören, sich manifestieren würde. Dabei wird mit Visionen gearbeitet, die das Leben Einzelner und von ganzen Gruppen rückanbinden an Vorstellungen einer grundsätzlichen Lebensqualität. Gleichzeitig herrscht die Meinung vor, dass ein Zurück nicht mehr möglich ist.

Hier scheint es angebracht, den Blick zu schärfen. Im Raum stehen viele Fragen und der Diskurs darüber ist so alt wie es diese Fragen gibt. Was ist eine grundsätzliche Lebensqualität, die uns als Menschen zur Verfügung stünde? Wo käme diese eigentlich her? Und haben die Menschen diese grundsätzliche Lebensqualität mit ihrer Präsenz auf diesem Planeten eventuell schon verspielt?

Doch dies sind alles akademische und visionäre, zugleich auch religiöse Fragen, die im Existenzkampf der Menschen tatsächlich immer weniger faktische Kraft besitzen. Denn die Existenz der meisten Menschen vollzieht sich jenseits ideeller Leitlinien an dem Ort, an dem es schlicht irgendwie immer weiter gehen muss,  mit den Mitteln, die zur Verfügung stehen oder so zu stehen scheinen.

In dieser Weise schwebt unsere Existenz über zwei Kontinenten. Es ist einmal der Kontinent der gewordenen und gewachsenen Formen dieses Planeten, die da waren bevor der Mensch auftrat und die immer noch maßgeblich unser Leben bestimmen und erhalten. Und es ist zum anderen der dicht bebaute und befüllte Kontinent der vom Menschen geschaffenen Dinge. Wir haben technologisch Spuren auf diesem Planeten hinterlassen und ihn befüllt mit Dingen, deren wir eigentlich nicht Herr und Frau sind. Sie entsprangen unserem Wunsch nach Herrschaft, begleiteten uns eine Zeit lang als Instrumente unserer Selbstermächtigung und entziehen sich uns nun zusehends. Müll, Gift, selbstgemachtes Klima und Krankheiten haben wir nicht wirklich unter Kontrolle.

Die Plattentektonik dieser zwei Kontinente unserer Existenz hat nun dramatische Veränderungen hervorgebracht. Der Kontinent des vom Menschen Gemachten hat sich über den Kontinent des Gewordenen hinweg geschoben. Es ist zu vielfältigen Verwerfungen gekommen, zur Bildung von Gebirgen und Sonderzonen und zu isolierten Naturreservaten.

Das Gewordene kann nun in ausgewiesenen Zonen besichtigt werden. Unser Bewusstsein ist jedoch schon längst nicht mehr im Gewordenen verankert, weder im Empfinden der Herkunft, noch im Miteinander mit dem Gewordenen und schon gar nicht beim Begreifen unserer Welt. Dabei ist der Zugriff der Technologie auf das Gewordene nicht nur selbstverständlich, sondern notwendig geworden. Es geht hier um eine Art Alternativlosigkeit, die uns selbst auch, als gewordene Wesen, längst vereinnahmt und uns in unserem Denken ganz bestimmt.

Dazu gehört in Medizin und Biologie der Zugriff auf zentralste Lebensfunktionen. Gerade dort wird deutlich,  wir verstehen technologisch wie die natürlichen Ressourcen instrumentalisierbar sind, haben aber nur einen eingeschränkten Zugang zu ihrer Qualität.

Für uns ist der Kontinent des Gemachten maßgeblich, und auf diesem stehen die Dinge in einer Funktionsbeziehung zueinander. Und weil sich dieser Kontinent über den Kontinent des Gewordenen geschoben hat, werden die Formen des Gewordenen in erster Linie ebenfalls als in einer Funktionsbeziehung begriffen.

Essay – Selbstgefühl als Christ

Zugfahrt von Berlin nach Dresden am 05.06.2020

– Der Zug verlässt den Berliner Hauptbahnhof. –

Was fällt mir zu meinem Christsein ein, von dem Ort aus, an dem ich Christ bin?

1) Erst einmal die Frage nach dem Heil

Der Glaube an Gott impliziert die Frage:

Wie bin ich in Gott?

Was bedeutet mein Verhältnis zu Gott für meine Lebensqualität?

Bedeutet meine Existenz eine dauernde Existenz in Gott oder kann mein Verhältnis zu Gott aufhören und meine Existenz damit beendet werden?

Hat meine Existenz hin zu Gott mit Lebensqualität zu tun und meine Existenz weg von Gott mit Leiden?

Letztlich sind dies alles Fragen nach dem Heil.

2) Die Frage nach dem Heil als Christ impliziert natürlich die Frage nach den anderen Religionen und ihren Heilswegen.

Was ist der spezifische Heilsweg eines Christen, der ihn zu einem religiösen Christen macht?

Eine Religion ist eine Lebenspraxis, die den Einzelnen hin zu seinen Existenzwurzeln führt, ihn hin zu dem führt, was für ihn wirklich wichtig ist.

Christen haben hier als zentrales Alleinstellungsmerkmal den Glauben an Jesus-Christus und seinen Einfluss auf unser Leben. Dies unterscheidet uns in allererster Linie wesentlich von den anderen monotheistischen Religionen.

Bei der Frage nach dem Christsein, auch in Abgrenzung von anderen Religionen, sind deshalb die Zeugnisse des Lebens und Wirkens und des Vermächtnisses von Jesus-Christus entscheidend.

Hier tauchen zwei zentrale Fragen auf:

– Wann sind die Evangelien geschrieben worden?

– Ist Jesus Gottes Sohn gewesen?

Die erste Frage ist von der deutschen evangelischen Theologie 150 Jahre lang mit sehr ernüchternden Ergebnissen behandelt worden. In den angelsächsischen Ländern hat man sich in den letzten 30 Jahren mit zahlreichen Publikationen davon distanziert und die Datierung stark zurückgesetzt. Auch zu Paulus gibt es einen „new look“ auf seine Briefe. Das Ziel war es, sich die Evangelien als tatsächliche Zeitzeugnisse zurückzuerobern.

Zur Frage nach der Gottessohnschaft:
Für Juden und Muslime ist Jesus nicht Gottes Sohn gewesen. Für viele Christen auch nicht.

Ab spätestens hier haben wir es mit einer spannenden Dichotomie im Glaubensleben zu tun.

Auf der einen Seite steht der rational geprägte Glaube an Fakten. Auf der anderen Seite steht das Glaubenserleben, die Glaubensresonanz, wie man es lutherisch ausdrücken kann. Diesen erlebten Glauben, das darf man als Christ nicht vergessen, kennen andere Religionen aber auch.

Ab der Dichotomie von Faktenorientierung und erlebten Glauben ergibt sich eine Flut von Fragen und Argumentationen. Der Stand der Dinge dazu im Christentum ist folgender: Klarheit konnte in den letzten 200 Jahren nicht erreicht werden, besteht zurzeit nicht und ist auch nicht zu erwarten.

Von diesem Stand der Dinge aus geht es deshalb in erster Linie jeweils um das Geschenk, das der Glaube dem Einzelnen macht.

Auch hier gibt es zwei grundsätzlich unterschiedliche Standpunkte / Denkweisen / Praktiken von Christen.

1)

Die meisten evangelischen Landeschristen und ich denke auch die meisten Predigten in Deutschland in den Landeskirchen, relativieren die konkreten „Worte Gottes“ historisch oder wenigstens mit dem Hinweis auf das Historische.

Wenn Gläubige die Aussagen der Bibel auf ihr eigenes modernes Leben anwenden, dann machen sie in den meisten Fällen einen großen Schritt. Und um „Gottes Wort“ in diesem Schritt zu erhalten (im doppelten Wortsinn) muss historisch relativiert werden. Das Geschenk des Glaubens sind dann, grob gesprochen, ethische Lebensmaxime.

2)

Es gibt aber andere Christen, diese findet man eher in den Freikirchen, für die heißt Christsein, in direktem Dialog mit Jesus-Christus und mit „Gottes Wort“ sein. Die besondere Qualität, die diese Christen sich sichern, ist eine die Zeit überbrückende Direktbeziehung. Hier spielt das Historische nicht die geringste Rolle. Das Christusereignis wird als ein die Zeit sprengendes Ereignis empfunden, in das man ständig als in eine Jetzt-Beziehung eintreten kann.

Diese Glaubenspraxis ist bemüht, das Neue Testament, sehr früh in seiner Entstehung anzusehen, als ein vom direkten Wort inspirierendes Miterlebenszeugnis, das das eigene Erleben mit hineinnimmt. Eine geschichtliche Herleitung der Ereignisse um Jesus schließt diese Haltung aus. Das Geschenk des Glaubens ist hier eine Inspiration und erlebte Gnade mit den entsprechenden Ausprägungen.

Eine von der menschlichen Eigenart geprägte Geschichtlichkeit auf der einen Seite. Ein jede Historie transzendierendes Christusereignis auf der anderen Seite.

Nebenbei bemerkt, das Alte Testament kann beides sein. Es beschreibt den Lernweg des diesseitig Menschlichen an der „Seite Gottes“ und beschreibt zusätzliche Durchbruchsereignisse hin zur Gottesnähe. Auch die Psalmen sind ein herausragendes Ereignis, das immer wieder ist und uns in die zeitlose Gegenwart der Größe unserer Existenz führt.

Wenn wir ab hier in dieser Weise deutlich polarisierten, dann hätten wir auf der einen Seite eine Gruppe, die das Christsein als Heilsnotwendigkeit ansieht, und wir hätten auf der anderen Seite eine Gruppe, die der Meinung ist, dass ihr eigenes und das Leben der anderen besser verläuft, wenn man christlicher Tradition und christlichen Werten folgt. Diese beiden Haltungen mischen sich selbstverständlich. Als handelnd wandelnde Menschen finden wir uns aber doch häufig in polarisierten Haltungen wieder. Manchmal wachen wir darin auf. Manchmal bemühen wir uns um eine Synthese. Diese Synthese ist aber eine Reflektionsarbeit. Oft braucht sie Raum, Zeit und Anlass, damit sie geschieht.

In diesen beiden hypothetischen (Haltungs-)Gruppen gibt es Menschen, die gut informiert sind und andere, die aus dem Bauch heraus entscheiden. Information und Wissen sind aber auf jeden Fall wichtige Faktoren für die Dynamiken in beiden Gruppen, entweder in Form ihrer Anwesenheit oder in der Form ihrer Abwesenheit.

Jeder religiöse Mensch kommt an einen Punkt, an dem er sich entscheiden muss, ob er sich Kräften und einem Geist überantwortet, die weit über ihn hinausgehen. Das ist das Religiöse, dass man sich in die Hände einer Sphäre gibt, die den eigenen Lebenshorizont weit transzendiert.

Die Entscheidung für ein Christsein aus rational-ethischen Gesichtspunkten ist eine Kalkulation, eine Kosten-Nutzen-Abwägung. Die Entscheidung andererseits für ein Christsein nur aus dem Bauch heraus ist naiv und ist in der Menschheitsgeschichte schon oft in schlechte Bahnen geraten.

Also: Quo vadis Christ? (Johannes 13, 36)

Salomonisch könnte man sagen, der goldene Weg ist die Mitte. Dieser Weg der Mitte sollte der Weg der Landeskirche sein.

An welchen Kriterien bemerken wir, dass in einer Gemeinde dieser Weg der Mitte gegangen wird?

1) Das Element des sich Überantwortens ist der Gottesdienst. Die Liturgie ist speziell darauf abgestellt. In der Predigt erhält man zusätzlich eine Hilfestellung, das Große, in dem man Geschöpf ist, auf sein eigenes Leben zu beziehen. Spezielle Andachten vertiefen diesen Vorgang thematisch.

2) Das reine Glaubenserleben, die individuelle Glaubensresonanz steht z.B. in Taizé-Andachten im Vordergrund.

3) Aber wo erscheinen Informationen und Wissen?

Während Liturgie-Andacht-Predigt auf der Passivseite des landeskirchlichen Christseins stehen, befinden sich Information und Wissen auf der Aktivseite.

Information und Wissen muss man sich selbst aktiv aneignen. Information und Wissen führen auch mitunter zu einer innerlichen Distanz dem eigenen Glaubenserleben gegenüber. Die Reaktion auf Information und Wissen ist deshalb oft eine aktive innere Versöhnungsarbeit. Wissen einerseits und die persönliche Glaubensbasis andererseits müssen manchmal zu einer neuen Einheit finden. Das will nicht jeder, das kann nicht jeder leisten. Eine gesamtgemeindliche Unterstützungsarbeit dabei, ist deshalb eine Form der Seelsorge.

Früher war es der Pfarrer, der das Lehramt innehatte und seine anvertrauten Seelen durch den heiklen Weg zwischen Versuchung und Heil hindurchführte. Heute wird ein Pfarrer als Manager für das Ganze eben an das Ganze festgenagelt, fast so wie an ein Kreuz.

Die Vermittlung von Wissen und Information einerseits und Glauben andererseits müssen in einer Gemeinde heute anscheinend von anderen geleistet werden, vielleicht sogar von Ressourcen außerhalb der Gemeinde.

Wir haben eine interessante aktuelle Situation:

Einerseits ist das evangelische landeskirchliche Christsein in Deutschland heute mit kaum mehr Verantwortung aufgeladen als bisher. Die Verantwortung ist eine historische und eine aktuell zeitgeschichtliche. Die Verantwortlichkeiten der jüngeren Vergangenheit mischen sich mit den riesengroßen Aufgaben des Menschseins angesichts der rasanten Veränderungen auf diesem Planeten.

Andererseits zieht sich eine verbliebene aktive Restkirche von vielleicht 5% immer mehr von einer historischen (und auch aktuell zeitgeschichtlichen?) Selbstreflektion zurück.

– Das Luthertum war zum Jubiläumsjahr 2017 als historisches Faktenkonvulut kaum präsent.

– Die antisemitische Schuld noch der jüngeren Vergangenheit hat kaum eine Informations- und Wissensbasis erhalten.

– Und das nötige informationelle Basisrüstzeug für den vielbeschworenen Dialog mit den anderen monotheistischen Religionen ist praktisch nicht vorhanden.

Der zentrale Fokus, auf den wir hier kommen, ist die Seelsorge!
Ist die aktuelle kirchliche Praxis der geistigen Versorgung des Gemeindemitglieds Seelsorge oder ist sie es nicht oder ist sie es unzureichend?

Es ist schwierig, in der evangelischen Kirche von Seele zu sprechen, weil das Seelenkonzept nicht christlich ist. Vor kurzem feierte zwar die Notfallseelsorge ein Jubiläum und jeder Christ wird die Seelsorge als Kernkompetenz seiner Kirche bezeichnen, aber eben die Wissens- und Informationsbasis dazu und damit einhergehend auch die Offenbarungsbasis, ist unklar.

Das alte Lehramt des Pfarrers, das den Gläubigen darin unterwies, wie er in Jesus-Christus, neben Jesus-Christus zum allmächtigen Vater gelangen könnte und vor allem müsste, wollte er nicht der ewigen Verdammnis verfallen, gibt es nicht mehr.

Mit diesem Lehramt ist auch der entsprechende Anspruch verfallen. Es gibt heute keine Instanz mehr innerhalb der Landeskirche, die vor der ewigen Verdammnis warnt. Das ist wahrscheinlich auch gut so, aber es hat eine Leere zur Folge.

Besonders in den letzten Jahren sind in diese Leerstelle andere spirituelle Ansätze eingetreten. Man kann heute sagen, dass die durchschnittlich geistig-spirituell orientierte Person, heute in sich Elemente eines neuen Seelen-Paradigmas trägt, das nicht aus der Kirche kommt.

„Seele“, das ist gemeinhin das zentrale des Menschen, das Wesentliche seines Seins. Wer an eine Seele glaubt, ist meistens der Überzeugung, dass er außen etwas tun kann, was der Seele nicht gut täte bzw. nach den Maßstäben der Seele nicht richtig wäre. Von einem so verstandenen Seelenkonzept des Menschen geht die Vorstellung eines „Innen“ und eines „Außen“ des Menschen aus. Außen können wir Menschen uns verstricken, was unserer Seele nicht gut tut. Unsere Seele leidet unter jeder Form der Zerrissenheit. Seelsorge und Seelenheilung heilen diese Zerrissenheit. Das Ziel einer Seele, ist „ganz“ zu sein. Damit einher geht die Vorstellung, mit einer erlangten Ganzheit der Seele Zugang zu wohlwollenden, weil nicht fragmentierenden, Existenzbedingungen zu haben. Die Existenz der Seele wird in der Regel, als ins Jenseitige, Nachtodliche hinüberreichend angesehen.

Die Existenznot eines Menschen, wenn sie nicht organismisch ist, wird in diesem Paradigma als Seelennot verstanden. Ein unerfülltes Leben ruft Seelennöte hervor.

In diesem Zusammenhang wird die Seele häufig auf einem Weg von der Berufung hin zur Erfüllung betrachtet. Ein erfülltes Leben nimmt die Berufung ernst und berufen ist die Seele und nicht die zerrissene Außenfunktion des Menschen.

In diesem Seelenparadigma begegnen wir auch dem Opfer. Korrekturen auf dem Weg von der Berufung zur Erfüllung haben meistens mit einem Opfer zu tun. Manchmal ist es ein Opfer, das dann leicht fällt, wenn man erkannt hat, dass es notwendig ist. Wenn ein Opfer aus der Gesamtsicht des Seelenweges von der Berufung zur Erfüllung, als notwendig erkannt ist, kann es von der Brust fallen, wie ein Mühlstein. Wir sind hier ganz nah bei alten Herz-Metaphern.

Eine individuelle Opfernotwendigkeit, z.B. durch Entscheidungen hervorgerufene deutliche Biografieänderungen, erscheinen in den entsprechenden Erzählungen immer im Zusammenhang einer höheren Seeleneinsicht.

Hier haben wir also ein Glaubenserleben und eine rationale Durchdringungsfähigkeit, die zusammen ein besseres Leben hervorbringen aus der Instanz eines höheren Selbst heraus.

Genau dies wünsche ich mir für die Kirche. Und für den einzelnen Gläubigen wünsche ich mir, dass er in seinen individuellen Seelenprozessen nicht von seiner Gemeinde oder von seiner Kirche ausgebremst wird. Dass dies gerade spirituelle Menschen so erlebt haben, wissen wir von den zahlreichen Schilderungen, warum jemand aus der Kirche ausgetreten ist.

Wenn die heutige Kirche der Ort der Übriggebliebenen werden sollte, die gar nicht verstehen, warum andere in ihr Seelennöte erleiden, dann wäre das schade. Wenn natürlich die Übriggebliebenen darauf antworten, dass eben sie auch Seelennöte erleiden, wenn man sie mit der Aufgabe der Selbstreflektion bedrängt, dann haben wir ein weiteres Problem.

An diesem Punkt möchte ich den Begriff der Barmherzigkeit einbringen.

Für Menschen mitten im Leben soll auch die Kirche mitten im Leben stehen. Man muss eben aufpassen, was man den Menschen anbietet. Etwas, das zum Gruselkabinett der Kirche gehört oder zu dem Positiven, für das sie steht? Auf der anderen Seite geht es auch um eine Heilsverantwortung.

Luther und noch viele nach ihm benutzten den Begriff der „scharfen Barmherzigkeit“, der die Kirche rein hielt von dunklen Einflüssen. Eben dies, neben anderem, empfinden viele aus der Erinnerung als zum Gruselkabinett der Kirche zugehörig, das noch bis vor wenigen Jahrzehnten virulent war.

Im Osten ist die Evangelische Kirsche, weil sie die Systemveränderung mitgetragen hat, viel positiver im Bewusstsein besetzt als vielerorts im Westen. Andererseits haben die alten Kirchenmitglieder im Osten immer noch eine Festungshaltung gegen den atheistischen Mainstream.

Ob bewusst oder nicht, es geht vielerorts immer noch um die Guten und die Bösen. Es geht häufig immer noch eher um Schutz als um barmherzige Integration. Mit „Integration“ meine ich nicht nur die Flüchtlinge. Die Kirchen müssen sich um die Menschen kümmern oder sie tun es eben nicht.

– Der Zug fährt ein in den Bahnhof Dresden-Neustadt. –

– Ich steige in die Tram 6 nach Niedersedlitz ein. –

Kaum habe ich mich gesetzt erscheint oben in der digitalen Werbevorrichtung eine Anzeige des Evangelischen Gymnasiums Dresden.

„Kirche bewegt“

„Hauptfach Mensch“

„Frei entfalten“

„Verantwortungsvoll Handeln“

Schön! Finde ich.

Fairer Handel und Kirchen

Juni 2020, Für den Weltladen Bahnhof Wandlitzsee

Die gemeinsame Wertebasis von Fairem Handel und Kirchen

Das Lieferkettengesetz kämpft für Fairness im globalen Handel.
So tut dies auch der Faire Handel und so tun dies auch die Kirchen, die den Fairen Handel und die Weltladenbewegung seit 50 Jahren unterstützend begleiten.

Was sind die zentralen Werte, die Kirchen und Weltladenbewegung teilen, wie sieht die gemeinsame ethische Schnittmenge aus?

Der zentrale gemeinsame Schnittpunkt ist das Leben. Es sind die Lebensqualität und die Lebensmöglichkeiten. Sowohl die Kirchen wie der Faire Handel haben hier einen hohen Anspruch.

Gerecht oder „Fair“ ist für beide, wenn das Leben, das jemand führt, nicht eben dieses Leben zerstören muss, damit es weitergeht.

Was verbindet hier die Kirchen und der Faire Handel?
Beide gehen davon aus, dass das Leben die Bedingungen für sein Gedeihen mitbringt. Das ist die zentrale Gerechtigkeit des Lebens. Das kann man mehr oder weniger religiös sehen. Das kann man mehr oder weniger bezogen auf eine „gute Instanz“ sehen.

Im Fairen Handel ist Gerechtigkeit eine Überzeugung, in den Kirchen ist es der Glaube an Gerechtigkeit.

Die Überzeugung und der Glaube, dass für alle genug da ist, wenn Leben Leben gebiert, ist die ethische Schnittmenge zwischen Fairem Handel und Kirchen. Von hier leiten sich die 10 Grundsätze des Fairen Handels ab und alle Fürsorge, Gnade und Barmherzigkeits-Vorstellungen von Christen. Auch die 17 Ziele für eine nachhaltige Weltentwicklung der Vereinten Nationen, die SDG‘s, gehören in diesen Kanon.

Leben gebiert dann Leben, wenn das Leben sein Potential in sich trägt und nicht schon den Tod. Hier ist die christliche Überzeugung von der Überwindung des Todes angesiedelt. Der Faire Handel bezieht sich hier auf gelebte Erfahrungen, die ihm bestätigen, dass die Lebensqualität steigt, wenn auch wirtschaftliche Zielsetzungen davon bestimmt werden.

Es sind die Erfahrungen des biologischen Landbaus, die Erfahrungen eines Lebens im Bemühen um sozialen Ausgleich, und natürlich die Erfahrung der jahrzehntelangen wirtschaftlichen Handreichung. Dies alles sind reiche und tiefe Erfahrungen, die die Überzeugung gestärkt haben, dass Gerechtigkeit gelebt werden kann.

Für die Kirchen wie für den Fairen Handel bedeutet so die Menschenwürde das gelebte Potential des Menschen. Dieses Potential zu leben, benötigen die Menschen Chancen, im armen Süden, wie im reichen Norden. Fairer Handel und kirchliche Institutionen geben gemeinsam diese Chancen.

Lutz Hausmann, Weltladen Bahnhof Wandlitzsee

Querflöte – ältere Aufnahmen

Querflöte solo – Improvisationen
ältere Aufnahmen
Alle Aufnahmen sind als freie Improvisationen entstanden.
 

Creative Commons Lizenzvertrag

CD-Cover Improvisationen zu Vogelaufnahmen
Querflöten-Improvisationen zu verlangsamten Vogelaufnahmen September 2014

Zaunkönig2 02:50
Hohentreswitz2 07:34
Gartenrotschwanz3 08:26

Mönchsgrasmücke1
[09:12 MP3] [FLAC]

Gartengrasmücke1
[07:52 MP3] [FLAC]

Rotkehlchen1 09:13

CD-Cover Prenden
Querflöten-Improvisationen
in der Dorfkirche von Prenden – Barnim
August 2007

Prenden 1 03:10
Prenden 2 03:07
Prenden 3 04:27
Prenden 4 01:04
Prenden 5 02:49
Prenden 6 04:09

Prenden 7
[03:13 MP3] [FLAC]

CD-Cover Menz II
Querflöten-Improvisationen
in der Dorfkirche von Menz – Oberhavel
Juli 2003

Menz II 01
[02:21 MP3] [FLAC]

Menz II 02 – 02:22
Menz II 03 – 04:17
Menz II 04 – 17:06

CD-Cover Menz I
Querflöten-Improvisationen
in der Dorfkirche von Menz – Oberhavel
November 2002

Menz I 01 – 02:49

Menz I 02
[08:47 MP3] [FLAC]

Menz I 03 – 08:20
Menz I 04 – 07:04

CD-Cover Herbstknospen
Querflöten-Improvisationen
in einem historischen Gebäude in Wandlitz – Barnim
November 1999

Die Höhle unter der Erde – 07:58

Wind und Feuer
[05:42 MP3] [FLAC]

Wasser – 06:25
Herbstknospen – 04:49