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Gedicht – Die Weisheit

Zum 1. Advent 2020
Gedicht von Lutz Hausmann
cc-by-sa 2020

Die Weisheit

Ein Raum
ein Rausch
ein Wesen

Nichts ist ihr hold
als die Wonne der Begegnung

Was ist ihr Wesen?
Wenn sie einen Ursprung hat,
hat sie Freiheit, Nüchternheit und Liebe?
Befürwortet sie einen Kranz
aus Gemeinsamkeit?

Hab acht,
wenn du dich traust
zu lieben
einfach in die Mitte hinein
und dann zu fliegen

Der Rausch, der dich trifft
ist die Wolke der Herrlichkeit
Ein Gewand,
dem du hinanwachsen musst,
um nicht abzustürzen

Die Reinen bezeugen eine sanfte Landung
im Glück, aufgehoben zu sein

Billigend nimmt die Weisheit in Kauf,
eine Einzelne zu sein,
obwohl verbunden mit allem

Hineinreissend ist eine Flut,
die läutert,
weil sie den Mut fördert,
auch künftig geprüft zu werden

Die Weisheit liebt die Achse,
die sie dreht
und um die sie wandert

Wir werden es wissen,
ob die Weisheit uns formt
Auf einmal werden wir sehen,
was wir vorher nicht sahen
und es wird gut sein,
wenn das Gute vielfach echot

Wir werden der Verheißung
folgen müssen,
wenn die Not uns sticht

Schmerzen dabei auszuhalten
ist eine Tugend
aber wirklich auch ein Kampf gegen das,
was uns unseren Ort finden lässt?

Oh Kohelet, oh Hiob
wie seid ihr tiefe Gruben,
deren Grund sich heute noch
über uns öffnet

Oh Weisheit,
wie ich tanze
in Deinem Licht zu mir

Habe ich eine Krone auf,
wenn Du zu mir kommst
oder eine Narrenjacke an?

Ich bin zu reif für Dich
Ich fließe wie ein Käse
hinein in die Verwesung
Schon jetzt am Fuße meines Berges

Die letzten Schritte
sind ein Taumeln
aus unserem Körper raus,
der immer mehr
sein eigenes Land betreten will

Oh Weisheit, zeige mir
die Heimat meiner Seele

Wenn ich ein Glas
an der Tischkante zerschlage,
habe ich Splitter
und Scharfes um mich

Die Teile wissen nicht mehr
um sich selbst
Sie klingen nicht mehr,
wie das Glas geklungen hat

Oh, rettet hier,
was des Rettens möglich ist
Ihr Geister einer anderen Welt,
die ferne uns zusammenhält

Was ist Weisheit,
was ist Trotz,
wenn ich mich nicht finden will

Ich suche mich in Dir,
Du immer wieder neue
Du Weisheit meiner Liebe,
die einfach wandeln mag

Essay – Selbstgefühl als Christ

Zugfahrt von Berlin nach Dresden am 05.06.2020

– Der Zug verlässt den Berliner Hauptbahnhof. –

Was fällt mir zu meinem Christsein ein, von dem Ort aus, an dem ich Christ bin?

1) Erst einmal die Frage nach dem Heil

Der Glaube an Gott impliziert die Frage:

Wie bin ich in Gott?

Was bedeutet mein Verhältnis zu Gott für meine Lebensqualität?

Bedeutet meine Existenz eine dauernde Existenz in Gott oder kann mein Verhältnis zu Gott aufhören und meine Existenz damit beendet werden?

Hat meine Existenz hin zu Gott mit Lebensqualität zu tun und meine Existenz weg von Gott mit Leiden?

Letztlich sind dies alles Fragen nach dem Heil.

2) Die Frage nach dem Heil als Christ impliziert natürlich die Frage nach den anderen Religionen und ihren Heilswegen.

Was ist der spezifische Heilsweg eines Christen, der ihn zu einem religiösen Christen macht?

Eine Religion ist eine Lebenspraxis, die den Einzelnen hin zu seinen Existenzwurzeln führt, ihn hin zu dem führt, was für ihn wirklich wichtig ist.

Christen haben hier als zentrales Alleinstellungsmerkmal den Glauben an Jesus-Christus und seinen Einfluss auf unser Leben. Dies unterscheidet uns in allererster Linie wesentlich von den anderen monotheistischen Religionen.

Bei der Frage nach dem Christsein, auch in Abgrenzung von anderen Religionen, sind deshalb die Zeugnisse des Lebens und Wirkens und des Vermächtnisses von Jesus-Christus entscheidend.

Hier tauchen zwei zentrale Fragen auf:

– Wann sind die Evangelien geschrieben worden?

– Ist Jesus Gottes Sohn gewesen?

Die erste Frage ist von der deutschen evangelischen Theologie 150 Jahre lang mit sehr ernüchternden Ergebnissen behandelt worden. In den angelsächsischen Ländern hat man sich in den letzten 30 Jahren mit zahlreichen Publikationen davon distanziert und die Datierung stark zurückgesetzt. Auch zu Paulus gibt es einen „new look“ auf seine Briefe. Das Ziel war es, sich die Evangelien als tatsächliche Zeitzeugnisse zurückzuerobern.

Zur Frage nach der Gottessohnschaft:
Für Juden und Muslime ist Jesus nicht Gottes Sohn gewesen. Für viele Christen auch nicht.

Ab spätestens hier haben wir es mit einer spannenden Dichotomie im Glaubensleben zu tun.

Auf der einen Seite steht der rational geprägte Glaube an Fakten. Auf der anderen Seite steht das Glaubenserleben, die Glaubensresonanz, wie man es lutherisch ausdrücken kann. Diesen erlebten Glauben, das darf man als Christ nicht vergessen, kennen andere Religionen aber auch.

Ab der Dichotomie von Faktenorientierung und erlebten Glauben ergibt sich eine Flut von Fragen und Argumentationen. Der Stand der Dinge dazu im Christentum ist folgender: Klarheit konnte in den letzten 200 Jahren nicht erreicht werden, besteht zurzeit nicht und ist auch nicht zu erwarten.

Von diesem Stand der Dinge aus geht es deshalb in erster Linie jeweils um das Geschenk, das der Glaube dem Einzelnen macht.

Auch hier gibt es zwei grundsätzlich unterschiedliche Standpunkte / Denkweisen / Praktiken von Christen.

1)

Die meisten evangelischen Landeschristen und ich denke auch die meisten Predigten in Deutschland in den Landeskirchen, relativieren die konkreten „Worte Gottes“ historisch oder wenigstens mit dem Hinweis auf das Historische.

Wenn Gläubige die Aussagen der Bibel auf ihr eigenes modernes Leben anwenden, dann machen sie in den meisten Fällen einen großen Schritt. Und um „Gottes Wort“ in diesem Schritt zu erhalten (im doppelten Wortsinn) muss historisch relativiert werden. Das Geschenk des Glaubens sind dann, grob gesprochen, ethische Lebensmaxime.

2)

Es gibt aber andere Christen, diese findet man eher in den Freikirchen, für die heißt Christsein, in direktem Dialog mit Jesus-Christus und mit „Gottes Wort“ sein. Die besondere Qualität, die diese Christen sich sichern, ist eine die Zeit überbrückende Direktbeziehung. Hier spielt das Historische nicht die geringste Rolle. Das Christusereignis wird als ein die Zeit sprengendes Ereignis empfunden, in das man ständig als in eine Jetzt-Beziehung eintreten kann.

Diese Glaubenspraxis ist bemüht, das Neue Testament, sehr früh in seiner Entstehung anzusehen, als ein vom direkten Wort inspirierendes Miterlebenszeugnis, das das eigene Erleben mit hineinnimmt. Eine geschichtliche Herleitung der Ereignisse um Jesus schließt diese Haltung aus. Das Geschenk des Glaubens ist hier eine Inspiration und erlebte Gnade mit den entsprechenden Ausprägungen.

Eine von der menschlichen Eigenart geprägte Geschichtlichkeit auf der einen Seite. Ein jede Historie transzendierendes Christusereignis auf der anderen Seite.

Nebenbei bemerkt, das Alte Testament kann beides sein. Es beschreibt den Lernweg des diesseitig Menschlichen an der „Seite Gottes“ und beschreibt zusätzliche Durchbruchsereignisse hin zur Gottesnähe. Auch die Psalmen sind ein herausragendes Ereignis, das immer wieder ist und uns in die zeitlose Gegenwart der Größe unserer Existenz führt.

Wenn wir ab hier in dieser Weise deutlich polarisierten, dann hätten wir auf der einen Seite eine Gruppe, die das Christsein als Heilsnotwendigkeit ansieht, und wir hätten auf der anderen Seite eine Gruppe, die der Meinung ist, dass ihr eigenes und das Leben der anderen besser verläuft, wenn man christlicher Tradition und christlichen Werten folgt. Diese beiden Haltungen mischen sich selbstverständlich. Als handelnd wandelnde Menschen finden wir uns aber doch häufig in polarisierten Haltungen wieder. Manchmal wachen wir darin auf. Manchmal bemühen wir uns um eine Synthese. Diese Synthese ist aber eine Reflektionsarbeit. Oft braucht sie Raum, Zeit und Anlass, damit sie geschieht.

In diesen beiden hypothetischen (Haltungs-)Gruppen gibt es Menschen, die gut informiert sind und andere, die aus dem Bauch heraus entscheiden. Information und Wissen sind aber auf jeden Fall wichtige Faktoren für die Dynamiken in beiden Gruppen, entweder in Form ihrer Anwesenheit oder in der Form ihrer Abwesenheit.

Jeder religiöse Mensch kommt an einen Punkt, an dem er sich entscheiden muss, ob er sich Kräften und einem Geist überantwortet, die weit über ihn hinausgehen. Das ist das Religiöse, dass man sich in die Hände einer Sphäre gibt, die den eigenen Lebenshorizont weit transzendiert.

Die Entscheidung für ein Christsein aus rational-ethischen Gesichtspunkten ist eine Kalkulation, eine Kosten-Nutzen-Abwägung. Die Entscheidung andererseits für ein Christsein nur aus dem Bauch heraus ist naiv und ist in der Menschheitsgeschichte schon oft in schlechte Bahnen geraten.

Also: Quo vadis Christ? (Johannes 13, 36)

Salomonisch könnte man sagen, der goldene Weg ist die Mitte. Dieser Weg der Mitte sollte der Weg der Landeskirche sein.

An welchen Kriterien bemerken wir, dass in einer Gemeinde dieser Weg der Mitte gegangen wird?

1) Das Element des sich Überantwortens ist der Gottesdienst. Die Liturgie ist speziell darauf abgestellt. In der Predigt erhält man zusätzlich eine Hilfestellung, das Große, in dem man Geschöpf ist, auf sein eigenes Leben zu beziehen. Spezielle Andachten vertiefen diesen Vorgang thematisch.

2) Das reine Glaubenserleben, die individuelle Glaubensresonanz steht z.B. in Taizé-Andachten im Vordergrund.

3) Aber wo erscheinen Informationen und Wissen?

Während Liturgie-Andacht-Predigt auf der Passivseite des landeskirchlichen Christseins stehen, befinden sich Information und Wissen auf der Aktivseite.

Information und Wissen muss man sich selbst aktiv aneignen. Information und Wissen führen auch mitunter zu einer innerlichen Distanz dem eigenen Glaubenserleben gegenüber. Die Reaktion auf Information und Wissen ist deshalb oft eine aktive innere Versöhnungsarbeit. Wissen einerseits und die persönliche Glaubensbasis andererseits müssen manchmal zu einer neuen Einheit finden. Das will nicht jeder, das kann nicht jeder leisten. Eine gesamtgemeindliche Unterstützungsarbeit dabei, ist deshalb eine Form der Seelsorge.

Früher war es der Pfarrer, der das Lehramt innehatte und seine anvertrauten Seelen durch den heiklen Weg zwischen Versuchung und Heil hindurchführte. Heute wird ein Pfarrer als Manager für das Ganze eben an das Ganze festgenagelt, fast so wie an ein Kreuz.

Die Vermittlung von Wissen und Information einerseits und Glauben andererseits müssen in einer Gemeinde heute anscheinend von anderen geleistet werden, vielleicht sogar von Ressourcen außerhalb der Gemeinde.

Wir haben eine interessante aktuelle Situation:

Einerseits ist das evangelische landeskirchliche Christsein in Deutschland heute mit kaum mehr Verantwortung aufgeladen als bisher. Die Verantwortung ist eine historische und eine aktuell zeitgeschichtliche. Die Verantwortlichkeiten der jüngeren Vergangenheit mischen sich mit den riesengroßen Aufgaben des Menschseins angesichts der rasanten Veränderungen auf diesem Planeten.

Andererseits zieht sich eine verbliebene aktive Restkirche von vielleicht 5% immer mehr von einer historischen (und auch aktuell zeitgeschichtlichen?) Selbstreflektion zurück.

– Das Luthertum war zum Jubiläumsjahr 2017 als historisches Faktenkonvulut kaum präsent.

– Die antisemitische Schuld noch der jüngeren Vergangenheit hat kaum eine Informations- und Wissensbasis erhalten.

– Und das nötige informationelle Basisrüstzeug für den vielbeschworenen Dialog mit den anderen monotheistischen Religionen ist praktisch nicht vorhanden.

Der zentrale Fokus, auf den wir hier kommen, ist die Seelsorge!
Ist die aktuelle kirchliche Praxis der geistigen Versorgung des Gemeindemitglieds Seelsorge oder ist sie es nicht oder ist sie es unzureichend?

Es ist schwierig, in der evangelischen Kirche von Seele zu sprechen, weil das Seelenkonzept nicht christlich ist. Vor kurzem feierte zwar die Notfallseelsorge ein Jubiläum und jeder Christ wird die Seelsorge als Kernkompetenz seiner Kirche bezeichnen, aber eben die Wissens- und Informationsbasis dazu und damit einhergehend auch die Offenbarungsbasis, ist unklar.

Das alte Lehramt des Pfarrers, das den Gläubigen darin unterwies, wie er in Jesus-Christus, neben Jesus-Christus zum allmächtigen Vater gelangen könnte und vor allem müsste, wollte er nicht der ewigen Verdammnis verfallen, gibt es nicht mehr.

Mit diesem Lehramt ist auch der entsprechende Anspruch verfallen. Es gibt heute keine Instanz mehr innerhalb der Landeskirche, die vor der ewigen Verdammnis warnt. Das ist wahrscheinlich auch gut so, aber es hat eine Leere zur Folge.

Besonders in den letzten Jahren sind in diese Leerstelle andere spirituelle Ansätze eingetreten. Man kann heute sagen, dass die durchschnittlich geistig-spirituell orientierte Person, heute in sich Elemente eines neuen Seelen-Paradigmas trägt, das nicht aus der Kirche kommt.

„Seele“, das ist gemeinhin das zentrale des Menschen, das Wesentliche seines Seins. Wer an eine Seele glaubt, ist meistens der Überzeugung, dass er außen etwas tun kann, was der Seele nicht gut täte bzw. nach den Maßstäben der Seele nicht richtig wäre. Von einem so verstandenen Seelenkonzept des Menschen geht die Vorstellung eines „Innen“ und eines „Außen“ des Menschen aus. Außen können wir Menschen uns verstricken, was unserer Seele nicht gut tut. Unsere Seele leidet unter jeder Form der Zerrissenheit. Seelsorge und Seelenheilung heilen diese Zerrissenheit. Das Ziel einer Seele, ist „ganz“ zu sein. Damit einher geht die Vorstellung, mit einer erlangten Ganzheit der Seele Zugang zu wohlwollenden, weil nicht fragmentierenden, Existenzbedingungen zu haben. Die Existenz der Seele wird in der Regel, als ins Jenseitige, Nachtodliche hinüberreichend angesehen.

Die Existenznot eines Menschen, wenn sie nicht organismisch ist, wird in diesem Paradigma als Seelennot verstanden. Ein unerfülltes Leben ruft Seelennöte hervor.

In diesem Zusammenhang wird die Seele häufig auf einem Weg von der Berufung hin zur Erfüllung betrachtet. Ein erfülltes Leben nimmt die Berufung ernst und berufen ist die Seele und nicht die zerrissene Außenfunktion des Menschen.

In diesem Seelenparadigma begegnen wir auch dem Opfer. Korrekturen auf dem Weg von der Berufung zur Erfüllung haben meistens mit einem Opfer zu tun. Manchmal ist es ein Opfer, das dann leicht fällt, wenn man erkannt hat, dass es notwendig ist. Wenn ein Opfer aus der Gesamtsicht des Seelenweges von der Berufung zur Erfüllung, als notwendig erkannt ist, kann es von der Brust fallen, wie ein Mühlstein. Wir sind hier ganz nah bei alten Herz-Metaphern.

Eine individuelle Opfernotwendigkeit, z.B. durch Entscheidungen hervorgerufene deutliche Biografieänderungen, erscheinen in den entsprechenden Erzählungen immer im Zusammenhang einer höheren Seeleneinsicht.

Hier haben wir also ein Glaubenserleben und eine rationale Durchdringungsfähigkeit, die zusammen ein besseres Leben hervorbringen aus der Instanz eines höheren Selbst heraus.

Genau dies wünsche ich mir für die Kirche. Und für den einzelnen Gläubigen wünsche ich mir, dass er in seinen individuellen Seelenprozessen nicht von seiner Gemeinde oder von seiner Kirche ausgebremst wird. Dass dies gerade spirituelle Menschen so erlebt haben, wissen wir von den zahlreichen Schilderungen, warum jemand aus der Kirche ausgetreten ist.

Wenn die heutige Kirche der Ort der Übriggebliebenen werden sollte, die gar nicht verstehen, warum andere in ihr Seelennöte erleiden, dann wäre das schade. Wenn natürlich die Übriggebliebenen darauf antworten, dass eben sie auch Seelennöte erleiden, wenn man sie mit der Aufgabe der Selbstreflektion bedrängt, dann haben wir ein weiteres Problem.

An diesem Punkt möchte ich den Begriff der Barmherzigkeit einbringen.

Für Menschen mitten im Leben soll auch die Kirche mitten im Leben stehen. Man muss eben aufpassen, was man den Menschen anbietet. Etwas, das zum Gruselkabinett der Kirche gehört oder zu dem Positiven, für das sie steht? Auf der anderen Seite geht es auch um eine Heilsverantwortung.

Luther und noch viele nach ihm benutzten den Begriff der „scharfen Barmherzigkeit“, der die Kirche rein hielt von dunklen Einflüssen. Eben dies, neben anderem, empfinden viele aus der Erinnerung als zum Gruselkabinett der Kirche zugehörig, das noch bis vor wenigen Jahrzehnten virulent war.

Im Osten ist die Evangelische Kirsche, weil sie die Systemveränderung mitgetragen hat, viel positiver im Bewusstsein besetzt als vielerorts im Westen. Andererseits haben die alten Kirchenmitglieder im Osten immer noch eine Festungshaltung gegen den atheistischen Mainstream.

Ob bewusst oder nicht, es geht vielerorts immer noch um die Guten und die Bösen. Es geht häufig immer noch eher um Schutz als um barmherzige Integration. Mit „Integration“ meine ich nicht nur die Flüchtlinge. Die Kirchen müssen sich um die Menschen kümmern oder sie tun es eben nicht.

– Der Zug fährt ein in den Bahnhof Dresden-Neustadt. –

– Ich steige in die Tram 6 nach Niedersedlitz ein. –

Kaum habe ich mich gesetzt erscheint oben in der digitalen Werbevorrichtung eine Anzeige des Evangelischen Gymnasiums Dresden.

„Kirche bewegt“

„Hauptfach Mensch“

„Frei entfalten“

„Verantwortungsvoll Handeln“

Schön! Finde ich.

Fairer Handel und Kirchen

Juni 2020, Für den Weltladen Bahnhof Wandlitzsee

Die gemeinsame Wertebasis von Fairem Handel und Kirchen

Das Lieferkettengesetz kämpft für Fairness im globalen Handel.
So tut dies auch der Faire Handel und so tun dies auch die Kirchen, die den Fairen Handel und die Weltladenbewegung seit 50 Jahren unterstützend begleiten.

Was sind die zentralen Werte, die Kirchen und Weltladenbewegung teilen, wie sieht die gemeinsame ethische Schnittmenge aus?

Der zentrale gemeinsame Schnittpunkt ist das Leben. Es sind die Lebensqualität und die Lebensmöglichkeiten. Sowohl die Kirchen wie der Faire Handel haben hier einen hohen Anspruch.

Gerecht oder „Fair“ ist für beide, wenn das Leben, das jemand führt, nicht eben dieses Leben zerstören muss, damit es weitergeht.

Was verbindet hier die Kirchen und der Faire Handel?
Beide gehen davon aus, dass das Leben die Bedingungen für sein Gedeihen mitbringt. Das ist die zentrale Gerechtigkeit des Lebens. Das kann man mehr oder weniger religiös sehen. Das kann man mehr oder weniger bezogen auf eine „gute Instanz“ sehen.

Im Fairen Handel ist Gerechtigkeit eine Überzeugung, in den Kirchen ist es der Glaube an Gerechtigkeit.

Die Überzeugung und der Glaube, dass für alle genug da ist, wenn Leben Leben gebiert, ist die ethische Schnittmenge zwischen Fairem Handel und Kirchen. Von hier leiten sich die 10 Grundsätze des Fairen Handels ab und alle Fürsorge, Gnade und Barmherzigkeits-Vorstellungen von Christen. Auch die 17 Ziele für eine nachhaltige Weltentwicklung der Vereinten Nationen, die SDG‘s, gehören in diesen Kanon.

Leben gebiert dann Leben, wenn das Leben sein Potential in sich trägt und nicht schon den Tod. Hier ist die christliche Überzeugung von der Überwindung des Todes angesiedelt. Der Faire Handel bezieht sich hier auf gelebte Erfahrungen, die ihm bestätigen, dass die Lebensqualität steigt, wenn auch wirtschaftliche Zielsetzungen davon bestimmt werden.

Es sind die Erfahrungen des biologischen Landbaus, die Erfahrungen eines Lebens im Bemühen um sozialen Ausgleich, und natürlich die Erfahrung der jahrzehntelangen wirtschaftlichen Handreichung. Dies alles sind reiche und tiefe Erfahrungen, die die Überzeugung gestärkt haben, dass Gerechtigkeit gelebt werden kann.

Für die Kirchen wie für den Fairen Handel bedeutet so die Menschenwürde das gelebte Potential des Menschen. Dieses Potential zu leben, benötigen die Menschen Chancen, im armen Süden, wie im reichen Norden. Fairer Handel und kirchliche Institutionen geben gemeinsam diese Chancen.

Lutz Hausmann, Weltladen Bahnhof Wandlitzsee

Freie Improvisation – Biografisches

Musikalisch bewege ich mich seit Jahrzehnten ausschließlich im weiten Bereich der freien Improvisation. Von der freien Improvisation habe ich eine eigene Auffassung, die ich in musikphilosophischen Texten darstelle.

80er Jahre
Während meines Studiums lebte ich zwei Jahre im Süden Londons. Dort gab es einen Verein, „Room for Improvised Music“, der regelmäßig Veranstaltungen durchführte.  Viele große Namen traten hier auf.  Ich spielte damals neben der Querflöte auch Sopran-Saxofon, ein damals dort sehr angesagtes Instrument. Mike Johns aus der Improvised Music Scene hat mich ein wenig gefördert. Musikalisch war ich fasziniert von den Möglichkeiten. Vorher hatte ich Funk-Jazz gespielt. Von da an blieb ich bei der frei improvisierten Musik und bin ihr bis heute treu geblieben.

90er Jahre
In Berlin war das frei improvisierende Trio Bong Arz dreißig Jahre lang meine musikalische Heimat. Daneben machte ich Weltmusik mit allem, was ich zur Verfügung hatte, mit Querflöte, verschiedenen Gesangstechniken, wie u.a. Obertongesang, Didgeridoo und Trommel u.m.. Ich gründete das Berliner Didgeridoo-Orchester und den „Ersten improvisierenden Klangchor“ und trat auf in den Duos „Wooden Voices“ und „Bernstein“. „Tonundklang“ war ein Versuch, das alles ein wenig philosophischer und in Verbindung mit bildender Kunst zu gestalten. Das Monochord spielte damals auch eine wichtige Rolle.

2000er Jahre
Ab 2002 spielte ich außer im Trio Bong Arz nur noch alleine. Vorort-Aufnahmen an besonderen, auch akustisch besonderen Orten waren meine Spezialität. Wenn ich kleine Auftritte hatte, dann bei Ausstellungseröffnungen.

2010er Jahre
Von 2010 bis 2016 lebte ich musikalisch, so engagiert wie es mir möglich war, innerhalb des Horizonts der Neuen Musik; langsam hinein, lange und tief drinnen und langsam wieder heraus. Aktuell hat das Musizieren für mich nicht mehr die Bedeutung wie in diesen Jahren.

Die Bong Arz-Seiten wahrscheinlich vor dem Aus

Lieber Reinhard,

ich habe mich in den letzten Tagen ein wenig mit Bong Arz beschäftigt, aus gegebenen Anlass. Ich habe meine eigenen Seiten überarbeitet, und einige Bong Arz-Ausschnitte von 2007 auf meiner privaten Seite verlinkt. In dem Zug habe ich kurz überlegt, die Bong Arz-Seiten ganz zu schließen.

Mir fällt schon seit langem auf, dass in der Mehrzahl Crawler und Bots auf bong-arz.de zugreifen. Von im Schnitt 15 Anwenderprogrammen, die in der Webstatistik angezeigt werden, sind mindestens 10 Crawler oder Bots. Die erzeugen auch den weitaus größten Traffic. Die Bong Arz-Seiten haben insgesamt 10-13000 Anfragen im Monat. Durchschnittlich rufen 34 Rechner pro Tag (IP-Adressen) Dateien ab.

Besuche, die nicht von Crawlern sind, sind im Schnitt 800 im Monat:
Jan: 960/ Feb: 900/ März: 1000/ April: 900/ Mai: 780/ Juni: 320/ Juli: 600

Die MB pro Tag schwanken stärker:
Jan: 579/ Feb: 14/ März: 18/ April: 863/ Mai: 47/ Juni: 106/ Juli: 103
Das ist Durchschnitt pro Tag!

Die sehr großen Zahlen im Januar und April gehen auf Komplett-Downloads zurück (24 GB). Es ist also ganz schön was los, trafficmäßig!

Trotzdem, ich glaube, dass hinter den Zahlen nicht wirkliches Interesse an der Musik steckt. Mindestens die Hälfte des Nicht-Crawler-Traffics geht bestimmt auf Archive zurück, die sich unsere cc-by-sa lizensierte Musik sichern wollen. Die cc-Archive selbst sind ja auch ausgebaut worden. Es gibt die meisten Musik-Abrufe also, um Archive zu füllen und nicht um die Bong Arz-Musik anzuhören. Das ist mein Verdacht, aber ich weiß es natürlich nicht wirklich. Komisch ist, dass unsere Stücke-Namen bei Google sonst nirgends auftauchen. Bei dem Traffic müssten, wenn das denn stimmt mit den Archiven, einige Stückenamen im Zusammenhang mit „Musik“ und/oder „Bong Arz“ eine kleine Berühmtheit erlangt haben. Das ist aber nicht so. Google findet unsere Stückenamen immer nur bei bong-arz.de, sonst nirgends. Eine komische Sache. Ich verstehe das nicht. Eine letzte Erklärung wären die sozialen Netzwerke, weil die von Google nicht erfasst werden. Ich kann das nicht überprüfen. Ich bin in keinem Netzwerk.

Jedenfalls spielt Bong Arz bei Google keine Rolle. Gibt man z.B. „frei improvisierte Musik“ ein, kommen wir auf den ersten 10 Seiten nicht vor. Wenn ich nach Verlinkungen suche, kommt nur Deine Seite rkat.de.

Trotz des beeindruckenden Traffics werde ich den Verdacht nicht los, dass sich eigentlich niemand für die Musik von Bong Arz interessiert. Aus dieser Einschätzung heraus (die falsch sein kann) habe ich Konsequenzen gezogen. Als erstes habe ich jetzt die Hauptseite gesperrt, die Gesamt-Sessionliste mit allen dort öffentlich gemachten 298 Sessionmitschnitten von 1990 bis 2012. Direktabrufe der Musik sind jetzt nur noch von der Favoritenliste möglich, immerhin auch noch 40 Sesionmitschnitte. Das ist mir aber eigentlich auch noch zuviel. 40 Stücke mit 20 Stunden Abhörzeit ist einfach auch nicht rezipientenorientiert. Ich will deshalb die Auswahl auf die 10 Stücke (Sessionmitschnitte) reduzieren, zu denen ich einmal Kommentare („info“) geschrieben habe. Ansonsten bleiben die Pfade aber vorerst bestehen. Wenn Bong Arz-Stücke denn irgendwo verlinkt sein sollten, dann können sie alle weiter abgerufen werden.

„Bong Arz“ als Adresse für interessante frei improvisierte Musik hat sich, trotz des beeindruckenden Traffics, nicht durchgesetzt. Das ist sicher. Das gleiche gilt für die einzelnen Stücke. Keines der Sessionsmitschnitte ist mit seinem Namen irgendwie in der Aufmerksamkeit nach vorne gerückt. Auch Google hat an Bong Arz sein Interesse verloren. Gingen früher mehrere tausend Abrufe pro Monat auf Rechnung allein des Googlebots, scannt Google mittlerweile nur ca. alle drei Monate wenige Seiten (im März 214, im Juli 84). Man kann nicht sagen, dass Google nicht jede der Bong Arz-Seiten kennt. Jahrelang hat sich Google bei uns um jedes Detail gekümmert. Mittlerweile denkt Google über Bong Arz wohl, was ich auch die Tendenz habe zu denken; Bong Arz ist aus Sicht des Internets ein Fake-Produkt. Das ist für unsere tolle Musik ein würdeloser Zustand. Ich denke deshalb darüber nach, die Domain zu kündigen und die Seiten zu löschen.

Trio Bong Arz – frei improvisierte Musik

30 Jahre lang, von 1983 bis 2013, habe ich zum Improvisationstrio BONG ARZ mit Querflöte und Stimme beigetragen.

Hier stelle ich beispielhaft kurze Ausschnitte aus dem Jahr 2007 zur Verfügung.
  • 20071130 Zwischen den Zeilen 03:07 Min
  • 20071026 Turbulances 14:45
  • 20070921 Stormy flight until bright light 00:36 | 00:41 | 00:28
  • 20070831 Drrr Dab Daa 05:05
  • 20070622 Shortnight Moves 01:23
  • 20070511 Tales of brave musicians 03:54
  • 20070330 Relaxed between gravityshocks 03:13

Querflöte – ältere Aufnahmen

Querflöte solo – Improvisationen
ältere Aufnahmen
Alle Aufnahmen sind als freie Improvisationen entstanden.
 

Creative Commons Lizenzvertrag

CD-Cover Improvisationen zu Vogelaufnahmen
Querflöten-Improvisationen zu verlangsamten Vogelaufnahmen September 2014

Zaunkönig2 02:50
Hohentreswitz2 07:34
Gartenrotschwanz3 08:26

Mönchsgrasmücke1
[09:12 MP3] [FLAC]

Gartengrasmücke1
[07:52 MP3] [FLAC]

Rotkehlchen1 09:13

CD-Cover Prenden
Querflöten-Improvisationen
in der Dorfkirche von Prenden – Barnim
August 2007

Prenden 1 03:10
Prenden 2 03:07
Prenden 3 04:27
Prenden 4 01:04
Prenden 5 02:49
Prenden 6 04:09

Prenden 7
[03:13 MP3] [FLAC]

CD-Cover Menz II
Querflöten-Improvisationen
in der Dorfkirche von Menz – Oberhavel
Juli 2003

Menz II 01
[02:21 MP3] [FLAC]

Menz II 02 – 02:22
Menz II 03 – 04:17
Menz II 04 – 17:06

CD-Cover Menz I
Querflöten-Improvisationen
in der Dorfkirche von Menz – Oberhavel
November 2002

Menz I 01 – 02:49

Menz I 02
[08:47 MP3] [FLAC]

Menz I 03 – 08:20
Menz I 04 – 07:04

CD-Cover Herbstknospen
Querflöten-Improvisationen
in einem historischen Gebäude in Wandlitz – Barnim
November 1999

Die Höhle unter der Erde – 07:58

Wind und Feuer
[05:42 MP3] [FLAC]

Wasser – 06:25
Herbstknospen – 04:49

Computernutzung – Neue Webinstallation

Meine bescheidene Website ist seit ca. 10 Jahren gehostet bei Domain Factory (df.eu). Ich habe dort durchweg gute Erfahrungen gemacht, auch mit dem Support.

Auf 25 GB Web-Space sind genug Platz für mehrer Server-Installationen.
philosophie.lhaus.de und kontext.lhaus.de verweisen bei mir jeweils auf eine eigene WordPress-Installation. Zusätzlich ist direkt in den /webseiten-Ordner hinein Joomla installiert.

Im „ManagedHostingLight“-Paket steht nur eine Datenbank zur Verfügung, weitere könnte man hinzu mieten. Das ist aber für Privatanwender gar nicht nötig. Die Joomla- und die verschiedenen WordPress-Installationen sind in der Datenbank über verschiedene Präfixe voneinander getrennt. Das funktioniert bei Domain Factory sehr sicher und reibungslos.

Selbstverständlich sollte man ein FTP-Programm wie FileZilla benutzen. Das braucht man immer wieder, auch für komplette Backups. Im Kundenmenü von Domain Factory stehen aber auch verschiedene direkte FTP-Zugänge zur Verfügung.

Ich habe mich erst seit kurzem für WordPress entschieden, eher durch Zufall. Ich habe früher alles selbst geschrieben in HTML und CSS, und ich kenne auch Typo3 und Joomla. Zur Nutzung von Privatanwendern oder auch für kleine Vereine ist WordPress, aus verschiedenen Gründen, meine allererste Empfehlung.
WordPress ist als Blog-Software bekannt und wird als solche auch viel genutzt. Man kann WordPress aber auch nur über eine Seitenstruktur betreiben, wie eine normale Homepage. Dafür gibt es mittlerweile eine Riesenauswahl an super Designs. Diese Designs nennt man Templates. Auf der WordPress-Seite selbst z.B. findet man eine große Auswahl an kostenlosen, sehr gut gemachten Templates. Was aber vielleicht den größten Ausschlag für eine Empfehlung von WordPress gibt, ist das überwältigende Unterstützer-System. Damit meine ich keine verstaubten Spezialisten-Foren, sondern eine mittlerweile fulminant evolvierte, extrem kundenorientierte Dienstleistungsszene. Die besteht aus großen und kleinen Firmen und aus jede Menge Freelancern, die wirklich etwas können und viele Brotkrumen an Informationen und Wissen abwerfen, auf unzähligen freundlich geschriebenen und gestalteten Blogs. Man findet immer, was man braucht, gut dargestellt und lebenspraxis-orientiert. Ich finde das beeindruckend.

Die Nutzung von WordPress, also der Umgang mit dem Programm, ist, finde ich, eine Wohltat an Zugänglichkeit. Ganz ehrlich, für Leute, die keine große Ahnung von Computertechnik haben, gibt es neben WordPress  keine wirkliche Alternative, glaube ich.

Man sollte sich führen lassen, wenn man vorhat, das WordPress-Angebot für sich nutzbar zu machen. Googeln hilft da sofort. Man trifft dann unter anderem auch auf Youtube-Videos. Manche von ihnen wollen zum Erwerb kostenpflichtiger Zusatzprogramme verlocken. Mit denen kann man wohl tatsächlich in wenigen Klicks großartige Homepage-Gestaltungen hinbekommen. Es klingt einfach. Ich vermute aber, dass es das am Ende für Normalanwender nicht ist. Es sei denn, man ist zwischen dreißig und vierzig. Man muss das auch ein bisschen durchschauen, was man da macht. An einer riesengroßen Torte kann man sich auch den Magen verderben.

 

20160720 Brücke Museum_Noldeausstellung

Brücke Museum
Emil Nolde Ausstellung
20. Juli 2016

 

Leuchtende Farben zwingen
in einen Hauch des Hinsehens
Maltechnisch fulminant
beleuchtet
von einer Seelenlandschaft

Warum sollte Bekehrung einsetzen
Die Verletzung ist ein Vermächtnis
ohne das Felder besetzt sind,
die Wege zeigen

Farbvorgänge gewaltgetrieben
beherrschen Buntes
aufleuchtend zur Wegwarte
und anderem
frei zur Schau

Es ermächtigt sich ein Raum
des Nichts, des Kontemplativen
Innengeschneidert maßgehalten
Vollkomplex durchwirkt
mit Gewächskaskaden

Wachsendes, das sich aufschließt
zur Schönheit, die Lächeln lässt
Begegnungen bestimmen das Schwimmende
eines Tastenden in den Farben

Eine Wahrheit der Ursächlichkeit
Vorzeigevollzug eines raunenden
Raumes aus Träumen
Beräumend die Herzlichkeit,
die eben noch die Kraft vermied